Bücherjahr 2018

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Wie im letzten Jahr schreibe ich mir jetzt einfach statt eines besinnlichen Textes zum Jahreswechsel eine Liste der Bücher zusammen, mit denen ich es dieses Jahr zu tun hatte. Das soll überhaupt keine Angeber-Liste sein, ich bin jahrelang kaum zum Lesen gekommen. Aber dieses Jahr hatte ich einige coole Geschichten zwischen den Fingern, vielleicht findet der*die eine oder andere ja noch was Neues zum Lesen im nächsten Jahr. 😀

Romane:

Leigh Bardugo – Das Lied der Krähen: Das war meine Jahresendlektüre im letzten Jahr und ich hab es Anfang 2018 zu Ende gelesen. Es ist phantastisch, lest es. Siehe auch das Ende dieser Liste. 😉

Tad Williams – Die Hexenholzkrone: Ich hatte schon so ein leicht mulmiges Gefühl, als meine Mutter mir gleich beide Bände zu Weihnachten schenkte, und leider bestätigte sich das. Ich hab Band 1 nach einem Viertel abgebrochen, es ist entsetzlich reaktionär und ischmöschtedasnischt.

Becky Chambers – Zwischen zwei Sternen: Eins meiner Highlights im letzten Jahr, ein Buch wie eine perfekte Fanfiction: Charakterzentriertes Backstory-Kammerspiel mit existenziellen Fragen. Außerdem ist Chambers’ Galaxis erfreulich queer und nicht heteronormativ. I like.

Django Wexler – The Thousand Names: Gunpowder-Fantasy vom Feinsten. Christian hat die Reihe entdeckt und ich bin etwas später eingestiegen, aber ho boy, ich hab es nicht bereut. Napoleoneske Fantasy mitgroßartigen Figuren. Vor allem die Frauen. *Herzchenaugen* Auch hier: Erfreulich queer. Und vollgepackt mit Action. 😀

Jason Fry – The Last Jedi: Da aus dem Film einige Szenen herausgeschnitten wurden, die mich interessierten, habe ich zum ersten Mal seit 1999 eine Star Wars-Film-Novelization gelesen. Sie war gut, aber natürlich recht unspannend, wenn man den Film gesehen hat. Die zusätzlichen Szenen und Innensichten haben sich aber gelohnt.

Django Wexler – The Shadow Throne: Ach so, ja, das weiter oben erwähnte “The Thousand Names” ist der Auftakt einer fünfteiligen Reihe. In “The Shadow Throne” kommen einfach noch mehr unfassbar coole Frauenfiguren dazu und *whispers* es gibt eine Studentenrevolution. Ich liebe Studentenrevolutionen.

Ursula K. Le Guin – Die linke Hand der Dunkelheit: Ein Gesandter der galaktischen Ökumene wird auf einen Planeten entsandt, dessen Bewohner nur in Paarungszeiten Geschlechter kennen und auch dann genderfluid sind. Ein früher, feministischer Meilenstein der Science-Fiction-Literatur und meine erste Le Guin dieses Jahr!

Henning Mützlitz und Bernd Greber – Tod an der Aurach: Ein Krimi!! Ich habe einen Krimi gelesen! Er besticht durch seine verrückten, aber dennoch realistischen Charaktere, das “Grillsport-Milieu” und seinen Witz – das einzige, was mich daran traurig gemacht hat, war der Tod von Hennings Co-Autor Bernd, dem Inhaber der Buchhandlung, in der wir vor zwei Jahren lesen durften. Er verstarb kurz nach Erscheinen des Buches und der Roman ist somit in gewisser Weise zu einem berührenden Nachruf geworden.

Ann Leckie – Die Maschinen: Bemerkenswerter Auftakt einer SF-Trilogie, aus der Sicht einer KI erzählt, die alle Menschen als generisch weiblich wahrnimmt. Vielleicht litt das Buch darunter, dass ich es während einer schlaflosen Nacht auf einer Urlaubsreise gelesen habe, aber ich fühlte mich leider von der Story nicht gepackt und werde Band 2 & 3 vermutlich eher nicht lesen.

Tomi Adeyemi – Children of Blood and Bone: Cooler Auftakt einer Young-Adult-Jugendbuchreihe, die auf einem phantastischen, an Afrika angelehnten Kontinent spielt. Ein bisschen wurde mir zu sehr von “Avatar – The Last Airbender” abgeschaut, aber grundsätzlich hat mich das Buch gut unterhalten und ich will sehr gerne wissen, wie es mit … Prinz Zuko weitergeht. 😉

Annalee Newitz – Autonom: Cyberpunk-Roman, der nicht so ganz weiß, was er will, aber dennoch durch den Biotech-Ansatz und die Charaktere besticht.

Django Wexler – The Price of Valor: Der dritte Teil der Gunpowder-Fantasy-Reihe “The Shadow Campaigns”, und was soll ich sagen? Wexler gehört einfach zu meinen großen Entdeckungen dieses Jahr, allein für Winter Ihernglass würde ich selbst in den Krieg ziehen, ich liebe sie. Teil 4 & 5 spare ich mir für 2019 auf.

Ursula K. Le Guin – The Word for World is Forest: Bedrückender, kurzer Roman auf dem Hainish-Zyklus, bei dem ein indigenes Volk den Krieg kennenlernt, den die kolonialisierenden Menschen ihm bringen.

Ursula K. Le Guin – Freie Geister: Mein Lieblings-Le-Guin, noch kurz vor der Buchmesse und dem #ThinkUrsula-Panel gelesen. Anarchismus und Kapitalismus auf zwei konkurrierenden Planeten und ein zwischen beiden Konzepten gefangener Physiker. Ebenfalls, wie “Die linke Hand der Dunkelheit” und “The Word for World is Forest” Teil des Hainish-Zyklus.

N.K. Jemisin – The Fifth Season: Band 1 der dreifach Hugo-gekrönten Broken-Earth-Trilogie, der mich ziemlich vom Hocker gehauen hat. Sprachgewaltig, metaphorisch, herzzerreißend – die Autorin ist für mich der Literatur-“Star” des Jahres 2018. Schaut euch ihre Hugo-Rede an!

Madeline Miller – Das Lied des Achill: Shipping in der griechischen Antike. Patroklos erzählt von seiner Liebe zu Achill, dem er nach Troja in den Krieg folgt. Wir kennen alle das Ende, aber hier ist es auf mythologische, ergreifende Weise erzählt, und danach möchte man den Wolfgang-Petersen-Film einfach nie wieder sehen.

James Tiptree Jr. – Die Mauern der Welt hoch: Einer der wenigen Romane der Autorin, die sich als männlicher Autor ausgab. Zwei Welten stoßen zusammen, als rochenartige Ätherwesen sich psionisch vor der Zerstörung ihrer Welt in Sicherheit bringen wollen und in die Geister von Menschen eindringen.

Annette Juretzki – Sternenbrand 1 – Blind: Space-Opera-Auftakt meiner “Mit-Ursula” Annette, die es schafft, ein Closed-Room-Setting an Bord eines Raumschiffs zu entwerfen, das weder mit Action und einem planetenumspannenden Konflikt noch mit queerer Soap Opera geizt. I like.

Chimamanda Ngozi Adichie – Half of a yellow sun: Roman über den Nigeria-Biafra-Bürgerkrieg, einen Konflikt, über den ich so gut wie nichts wusste, und der vor allen Dingen durch die Perspektiven der Charaktere besticht. Und die literarische Qualität, Adichie ist halt einfach fantastisch.

Elea Brandt – Opfermond: Disclaimer: Ich habs gestern erst angefangen, weil ich “Das Gold der Krähen” nicht mit in die Badewanne nehmen durfte und bin demzufolge noch ganz am Anfang. Aber Elea liest sich, als wär sie meine Sister from another Mother. Ich bin gespannt. 😀

Leigh Bardugo – Das Gold der Krähen: Mit “Das Lied der Krähen” hab ich das Jahr angefangen, mit dem Gold der Krähen ende ich es. Ich stecke wie letztes Jahr noch mitten im Buch, aber die Räuberballade um die sechs verbrecherischen Jungspunde in Ketterdam entwickelt einen bemerkenswerten Sog. Keine Klageweiber. Keine Beerdigungen.

 

Comics:

David Kushner und Koren Shadmi – Der erste Spielleiter: Auf Deutsch realisiert als Crowdfunding von Feder&Schwert, unterhaltsame Comic-Biographie von Gary Gygax.

Die Legende von Korra (2 Comicbände): Der Comic berichtet davon, wie es nach der Serie weitergeht – und auch von Korras und Asamis Beziehung, der Öffnung in die Geisterwelt mitten in Republica und wie rivalisierende Banden und Politiker dieses Portal ausnutzen wollen.

Poe Dameron: Die Poe-Dameron-Comicreihe fand in diesem Jahr ihren Abschluss und ist nach der Kanan-Comicreihe vermutlich mein liebstes Star-Wars-in-Comicform. Spionage und Dogfights – was will man mehr?

Star Wars-Comicreihe – Der Mon Cala-Arc: Derweil läuft auch noch die “zentrale” Star Wars-Comicreihe um Leia, Han und Luke weiter, aber wir lesen sie nicht regelmäßig. Den Arc auf Mon Calamari haben Christian und ich noch mal gelesen, der war ganz gut (Heist-Opernball-Gedöns!).

Sandman – Fables and Reflections: Mein Projekt “Alle Sandman-Comics lesen” läuft jetzt schon seit einigen Jahren. Auch dieser Band war wieder eine ganz grandiose Sammlung verstörender und anrührender Kurzgeschichten im Comicformat.

Saga 7 & 8: Saga will be Saga. Diese Comicreihe hat mich wieder zur Comicleserin gemacht, und sie hört einfach nicht auf damit, episch und soapig und herzzerreißend zu sein.

Grimaldi und Maike Plenzke – Macha: Ein Comic mit Anleihen an irische Mythen, der dennoch eine interessante eigenständige Mythenwelt entwirft.

Fables #3: Auch die Fables-Reihe ist so was, was ich langsam über Jahre hinweg, so vor mich hinlese. Band 3 hat wieder etliche Märchenfiguren-in-New-York-Verwicklungen und hat mir besser gefallen als Band 2, der mit zu viel auf der Farm spielte. 😉

 

Kurzgeschichten und Novellen:

Neil Gaiman – Norse Mythology: Da ich immer mehr als ein Buch gleichzeitig lese, war auch das meine Jahresend-Jahresanfangs-Lektüre. Gaimans Schreibe fängt den Geist der nordischen Sagen auf leicht wahnsinnige, aber sehr treffend scheinende Weise ein. So wie Thor 3, nur in literarisch.

Nnedi Okorafor – Binti 1 & 2: Preisgekrönte Novellen-Trilogie über ein Mädchen, das in ferner Zukunft gegen den Willen ihrer Familie zu einer interstellaren Universität aufbricht und unterwegs von blutrünstigen Quallen überfallen wird. Der Subtext macht die kurze, knackige Handlung bemerkenswert.

Ben Aaronovitch – Geister auf der Metropolitan Line: Die erste Novelle aus der “Die Flüsse von London”-Romanreihe. Ich mag ja das ganze Setting und die Charaktere dieser Urban-Fantasy-Reihe sehr, das Büchlein las sich schnell runter.

Kurzgeschichten von Kameron Hurley: Seit September bin ich Patreon-Unterstützerin auf Hurleys Patreon und darf deshalb jeden Monat eine Kurzgeschichte lesen. Meistens ist es wirklich abgedrehte Science-Fiction, lesenswert, weil Hurley sich auch stets an neuen Perspektiven aufs Thema Gender versucht.

N.K. Jemisin – How long till Black Future Month?: Die erste Kurzgeschichtensammlung von N.K. Jemisin, die eine mittelmäßig begabte Schreiberin von Kurzgeschichten wie mich einfach nur vor Neid erblassen lässt. So viele grandiose Ideen, so gut geschrieben – Hut ab, du bist meine Heldin des Jahres, Nora!

 

Sachbücher:

Chuck Wendig – Damn Fine Story: Sehr unterhaltsamer “Schreibratgeber”, der sich vor allem damit beschäftigt, warum uns gewisse Geschichten ansprechen. Ich bin noch nicht ganz durch, aber ich finde Wendigs Ansatz sehr cool, da mir so was wie starke und schwache Verben immer schon egal war – wer also gerne nach den Knochen der Narrative buddelt, ist hier richtig.

Kameron Hurley – The Geek Feminist Revolution: Essaysammlung der “zu sperrig für deutsche Roman-Übersetzung”-SF-Autorin Kameron Hurley voller unfassbar cooler und treffsicherer feministischer Geek-Texte.

Tupoka Ogette – Exit Racism: Danke an Mike für den Tipp. Wer sich auf 120 Seiten mit dem eigenen Rassismus auseinandersetzen möchte (sollte. Also: jede*r), greife nach diesem Buch. Ein Augenöffner.

Hamilton – the Revolution: Der Bildband zum Hamilton-Musical. Ich hab ihn bisher nur halb gelesen, er enthält Essays und Anekdoten, Fotos und Songtexte und ist sehr, sehr, sehr hübsch auf alt getrimmt.

Noah Sow – Deutschland Schwarz Weiß: Und wer dann nach “Exit Racism” noch ein bisschen mehr zum Rassismus in Deutschland lesen möchte (sollte. Also: jede*r), greife danach nach diesem Buch. Liest sich so runter und macht sauer. Und sauer ist wichtig.

Ursula K. Le Guin – Keine Zeit zu verlieren: Essaysammlung von Le Guin, die ihre letzten Jahre beleuchten. Eine scharfsinnige, weitsichtige Frau, die viel zu sagen hatte und viel gesagt hat. Ad astra, Ursula.

Chimamanda Ngozi Adichie – We should all be feminists: Den TED-Talk gibt es sowohl gratis in diesem Internet als auch als Büchlein. Ich habs mir für eine Zugfahrt gekauft und es hat genau gereicht. Ein toller Text, wie alles von Adichie.

Robin Di Angelo – White Fragility: Di Angelo lehrt seit Jahren zum Thema “weiße Perspektive auf Rassismus” und bringt in diesem Buch ihre Erkenntnisse auf den Tisch. Unbedingt lesen, wenn man weiß ist und mehr zum Thema Rassismus lesen möchte (sollte. Also: jede*r).

 

Rollenspiele:

Bluebeard’s Bride: Unfassbar schick gestaltetes PbtA-Setting rund um das gleichnamige Märchen und “female horror”.

Dread: Ich meide ja Grundregelwerke wie der Teufel das Weihwasser, aber wenn man selbst was zum Rollenspiel beitragen möchte, sollte man das wohl mal getan haben. Dread liest sich interessant und spielt sich noch interessanter.

#Feminism: Eine Nano-Game-Anthologie, die sich, man wird es kaum ahnen, mit feministischen und intersektionalen Themen befasst. Ich habe nicht alle Nano-Games darin gelesen, geschweige denn gespielt, aber das ist ein toller Band, große Empfehlung auch für Leute, die normalerweise nicht rollenspielen.

Star Crossed: 20 Seiten Regeln zu großem Jenga-Turm-Romantik-Rollenspiel. Großes Kino.

 

Warhammer-40K-Übersetzungen

Aaron Dembski-Bowden – Die Schwarze Legion: Den Roman habe ich Ende 2018/Anfang 2019 übersetzt und bin ganz glücklich damit, neuerdings so was wie Dembski-Bowdens “Stammübersetzerin” zu sein, denn der Kerl kann was.

Robbie Mac Niven – Pfad des Blutes: Das war eine eher torture-porn-lastige Schlachtplatte, nicht so wirklich mein Fall.

Aaron Dembski-Bowden – Speer des Imperators: Der zweite Roman, den ich von ihm übersetzt habe, Auftakt einer Reihe zu einem neuen Teil der Warhammer-40K-Universums hat mir wirklich gut gefallen. Außerdem ist der Roman aus weiblicher Perspektive erzählt. I like.

Steve Parker – Deathwatch: Operation Schattenbrecher: Liegt gerade auf meinem Schreibtisch, kann noch nicht so viel dazu sagen, aber alles, was so richtig aus Imperiums-Perspektive geschrieben ist, finde ich leider immer nicht so cool. 😉

 

Lektorate:

Ich hab drei Romane für Feder&Schwert lektoriert, werde dazu aber nichts Wertendes sagen, denn das wäre irgendwie blöd. 😉

Erik Novak – Oscuridad: First Contact im südamerikanischen Regenwald mit Jet-Piloten und Aliens.

Christian Lange – Die aegyptische Maschine: Der erste Roman aus dem Eis&Dampf-Verse, der nicht aus Christian (V.)s und meiner Feder stammt.

Henning Mützlitz – Der Kreis der Sechs: Musketiere in Frankreich, aber mit Dämonen! #nuffsaid

 

So, damit bleibt mir nix mehr, als euch ein guten Rutsch zu wünschen und lots of cool stuff in 2019! Mein Büchervorsatz: Mehr Frauen, queere Autor*innen und People of Color lesen. 😉 Bye!