Fate Core Elementary

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Fate Core Elementary habe ich ein „heruntergebrochenes“ Fate Core getauft, das ich für die Vorstellung an einer Grundschule benutzen möchte. Elementary also sowohl wegen Elementar als auch wegen Elementary School.

Ab und an spielen wir mit unseren Kindern (6 und 8 Jahre alt) Fate Core, auch das schon in einer einfacheren Variante, aber letztlich dem „erwachsenen“ Fate sehr ähnlich – denn es sitzt ja für jedes Kind auch ein Erwachsener am Tisch, der das mit dem Vorteil-Erschaffen, dem Konsequenzen-Nehmen und so weiter im Griff hat und Tipps geben kann.

Meine Sprösslinge gehen auf eine Montessori-Grundschule, und da gibt es sogenannte Monatsthemen – die Lehrerin gibt ein Thema vor und die Schüler erarbeiten es zu Hause und stellen dann ihr Projekt im Unterricht mit einem Mini-Referat oder Poster vor. Normalerweise ist das so was wie „Gefährdete Tiere“, „Schulweg“, „Bäume im Herbst“, „Wetter“ … Dezember-Thema ist nun jedoch „Spiele“, und diese sollen nicht mit einem Referat vorgestellt werden, sondern in der Vorweihnachtszeit werden insgesamt zwei Schulstunden eingeplant, in der die Kinder Spiele mitbringen können, die sie dann anderen Kindern erklären und mit ihnen spielen.

Die Achtjährige kam freudestrahlend nach Hause und verkündete, sie und ihr bester Freund hätten beschlossen, Rollenspiel vorzustellen. Und ich solle natürlich mit. Spielleiten, da bräuchten sie ja schließlich jemanden, der das gut kennt und kann.

Schritt 1 sollte sein: Bester Freund Paul kommt nachmittags mal zu uns, denn eigentlich hat er noch nie Rollenspiel gespielt, und er soll ja wissen, worum es geht. Um es zu vereinfachen, habe ich vorher den Fate-Bogen etwas umgestaltet und die Regeln auf zwei DIN A 4-Seiten heruntergebrochen. Letztlich sind es nur die Fertigkeiten-Liste und ein paar Anmerkungen zu Fate-Punkten und Stunts.

Es gibt nur zwei Aspekte, nämlich Konzept und Dilemma – und das Ausgeben und Zurückerhalten von Fate-Punkten ist im Spiel einfach ein bisschen … weiter gefasst möglich.

Die Konsequenzen, körperlich wie geistig, habe ich rausgenommen. Pro Treffer gibt es einfach ein angekreuztes Kästchen, und wer viermal getroffen wurde, ist bewusstlos.

Die Erholungsrate hab ich per se auf 3 gesetzt, ebenso wie die Anzahl der Stunts.

Die zwei Seiten Regeln (ihr könnt sie unten sehen) sind als Anleitung zur Charaktergenerierung gedacht, wenn auch noch ein Fate-versierter Erwachsener dabei ist. Sie sollen nicht das ganze Spiel erklären, und die Kinder können es anhand dessen auch sicher nicht allein spielen.

So, das getan, ging es an die Settingauswahl.

Paul: „Avatar!“
Ich: „Das kenn ich nicht so gut. Wie wärs mit Drachenzähmen leicht gemacht?“
Alle: „Jaaaa!“ Zwei Sekunden später: „Oder nee. Lieber Star Wars: The Clone Wars.“
Paul: „Ich bin Anakin.“
Ich: „Niemand ist Anakin. Denkt euch doch einfach neue Jedi-Ritter oder Klon-Captains aus.“

Ja. Die Charaktererstellung. Ich hatte bei meinen eigenen Kindern schon festgestellt: Einen eigenen Charakter ausdenken – das ist irgendwie schwierig, man muss so viele Dinge bedenken … Wie sieht er aus? Was kann er? Und dann noch Konzept und Dilemma? Puh … Sie spielen also eigentlich immer die Hauptcharaktere aus ihrer Lieblingsserie im Setting ihrer Lieblingsserie.

Das Ende vom Lied: Paul spielte Obi-Wan Kenobi, Tochter M. Ahsoka Tano und Sohn F. Captain Rex. 10 von 18 Fertigkeiten aus der Liste auszusuchen und als Pyramide zu ordnen, machte ihnen offenbar richtig Spaß. Bei den Stunts habe ich Vorschläge gemacht, und sie haben sie noch ein wenig umgewurschtelt. Und richtig erstaunt war ich bei Konzept und Dilemma:

Paul: „Obi-Wan ist ein mächtiger Jedi-Ritter, der gegen die Sith kämpft. Aber ein Problem hat er eigentlich nicht, er kann ja alles ziemlich gut.“
Tochter M.: „Qui-Gon ist sein Problem. Obi-Wan konnte ihn nicht retten.“
Ich: O____O

Ich hätte gedacht, zu durchschauen, was ein Dilemma ist, sei schwieriger. 😉

Dann ging es los, Captain Rex, Ashoka und Obi-Wan fangen einen Notruf von einem Planeten ab, der droht, von einem Schwarzen Loch verschlungen zu werden, retten Einwohner und Tiere und Pflanzen und Loth-Katzen („Da wären aber auch Loth-Katzen, die müssten wir retten! Und auch die Mäuse, die die Loth-Katzen eigentlich fangen wollen, die müssen wir auch retten!“ „Okayyyy, würfel Charisma, ob du die Katzen gezähmt bekommst …“), dann greifen die Separatisten mit ihren Droiden an, und es gibt noch einen Kampf in einem einstürzenden Verbindungsstollen im Planeten. Für Dinge wie „Ich will gerade gegen die Droidekas kämpfen, aber da hör ich ein Baby weinen, weil weiter hinten ist eine Familie, und die haben sich versteckt und können jetzt nicht raus!“ gab es einen Fate-Punkt, und ausgeben konnte man die Dinger, auch ohne das Konzept oder das Dilemma als Erklärung zu nutzen – eigentlich immer, wenn die Kinder neu würfeln wollten; ach ja, und wenn es darum ging, die Eier-Uhr fünf Minuten zurückzusetzen, die auf dem Tisch tickte – sobald sie klingelte, würde der Planet ins Schwarze Loch gesogen. 😉

Am Schluss folgte noch ein waghalsiges Flugmanöver, dann war das kurze Abenteuer beendet (die Kinder fingen nach einer halben Stunde Spielzeit am Tisch an, vorzuführen, wie sie durch den einstürzenden Stollen flogen, indem sie quer über das Sofa sprangen … Mehr als eine Dreiviertelstunde war definitiv nicht drin, aber diese war auch für mich sehr unterhaltsam und rollenspielerisch gar nicht schlecht. Die tickende Eier-Uhr war übrigens keine schlechte Idee, um die Kinder bei der Stange zu halten. Heißer Dank dafür geht an Darths and Droids! 😉 ).

 

So, Schritt 2 der „Elementary“-Rollenspielerfahrung steht noch an: Nächste Woche, in einem vollbesetzten Klassenraum, mit drei weiteren Kindern, die ich noch nicht kenne. Ich sollte die Eieruhr einpacken … und werde berichten!

Sollte jemand Verwendung für den Charakterbogen und die Kurzregeln haben – ihr findet sie hier:

fate elementary

der Charakterbogen

Die Kurzregeln als PDF

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