Publikationen » Rezensionen

Da es im Moment Rezensionen hagelt, findet ihr sie hier nicht mehr in ausführlicher Form, sondern als Link:

Interview bei der Phantastik-Couch

Rezension zu "Die zerbrochene Puppe" bei der Phantastik-Couch

Rezension zu "Die zerbrochene Puppe" bei clockworker.de

"Die zerbrochene Puppe" bei den Aachener Nachrichten

Rezension zu "Die Geister des Landes" bei teilzeithelden.de

Rezension zu "Die Geister des Landes" bei helden.de

"Herrin des Schwarms" bei Nandurion (Josch)

Rezensionen zu "Herrin des Schwarms" und "Im Feuer der Esse" bei Nandurion (Goswin)

"Herr der Legionen" bei Helden.de

"Die Geister des Landes" bei der Dürener Zeitung

"Herr der Legionen" bei DORP

"Herrin des Schwarms" bei DORP

Thomas Michalskis Blog 

"Die Geister des Landes" bei Fictionfantasy

************

Nandurion.de widmet "Herr der Legionen" eine sehr ausführliche und obendrein sehr lustige Rezension:

Adversus necessitatem ne dii quidem resistunt.
(„Gegen die Notwendigkeit können nicht einmal die Götter etwas ausrichten.“)

Bosparanes eunt domus.
(„Menschen, genannt Bosparanes, gehen das Haus“)
—  Nairb Foefil, ein alhanischer Widerstandskämpfer

Mal abgesehen von sanitären Einrichtungen, der Medizin, dem Schulwesen, Wein, der öffentlichen Ordnung, der Bewässerung, Straßen, der Wasseraufbereitung und der allgemeinen Krankenkasse, was, frage ich euch, haben die Bosparaner je für uns getan?
— gehört während eines konspirativen Treffens garethischer Rebellen

Exordium

Natürlich war ich nach der Sache mit den Krustentieren ein wenig voreingenommen. Im Nachhinein ist vermutlich nur noch schwer zu erklären, wieso ausgerechnet diese zum Running-Gag auf der letzten Ratcon wurden, einen besseren Appetithappen für Herr der Legionen als Judith Vogts Lesung der Orgienszene hätte es aber kaum geben können. Siebeneinhalb Monate und 400 Seiten später habe ich den ersten Band des Dunkle Zeiten-Zweiteilers jetzt verschlungen und frage mich, ob der Roman halten konnte, was die Ratcon-Performance versprach.

Die Antwort ist einfach: Ja. Judith Vogt hat den Herrn der Legionen locker in meine persönliche TOP 10 Liste der DSA-Romane hineingeschrieben. Und falls jetzt eine lustige Bruderschwester des Weges kommt, den Schnabel weit aufreißt und kräht „Ja, aber hat denn der Josch überhaupt mehr als zehn DSA-Romane gelesen?“, so erwidere ich: „Klug und weise ist es, den Schnabel nicht zu weit aufzureißen, denn ja, ich habe deutlich mehr als nur zehn Exemplare dieser wenig bewunderten und viel gescholtenen Gattung gelesen. Auch wenn ich mir angesichts von Sternstunden wie Raidris erotischen Eskapaden in Graf Conchobair bläst zum Zapfenstreich – das große Ferdoker Lanzengeömmel an manchen Tagen gleich mehrfach wünsche, es wäre nicht so.“

Wie dem auch sei, ich sollte langsam dazu übergehen, meiner bisherigen Lobhudelei etwas mehr Substanz zu verleihen. Denn, wie schon der legendäre bosparanische Korsar Enternix zu sagen wusste: Glücklich, wem es gelingt, den Dingen auf den Grund zu sehen!

Ein kurzer Überblick

Kommen wir also zum Wesentlichen und beginnen wir dem Schwersten. Wie kann ich dem geneigten Leser diesmal etwas über den Inhalt des Romans sagen, ohne zugleich das Lesevergnügen zu verderben? Vibarts Dschinniestreich möchte ich an dieser Stelle nur ungern wieder aufwärmen, deshalb versuche ich es mit einem klassischen Dreischritt aus den Dunklen Zeiten der DSA-Historie, nicht, ohne zuvor aber noch den Soundtrack von Ralf Kurtsiefer anzuwerfen, um für die passende musikalische Untermalung zu sorgen.

Cognitio Generalis

Im Roman geht es um….

  • eine Familienintrige in Bosparan, die komplizierter ist, als es zunächst den Anschein hat.
  • eine Intrige in der V. Bosparanischen Legion (der Shinxiria), die ebenfalls komplizierter ist, als es zunächst den Anschein hat.
  • die Erlebnisse einer jungen Sklavin Puella, die mit besonderen Fähigkeiten gesegnet ist, das Interesse einer Vielzahl von Personen auf sich zieht und so ein Teil von Ereignissen wird, die leicht das Ende Bosparans bedeuten könnten. Und auch hier ist natürlich alles deutlich komplizierter, als es zunächst den Anschein hat.

Cognitio Accuratus

Warnung: Leichte Spoilergefahr!

Im Mittelpunkt der Intrige steht die Patrizierin Sahina von den Venetern, die versucht, im Haifischbecken Bosparans den Kopf über Wasser zu halten, dabei einen geheimen Plan verfolgt und sich hierbei auch noch ihrer misstrauischen Familie erwehren muss. Die V. Legion Shinxiria hingegen droht im garethischen Hinterland ‘geparkt’ zu werden, da der Shinxir-Kult in Bosparan in Ungnade gefallen ist. Man versucht, die Rückkehr der Legion gegen den Willen der bosparanischen Autoritäten voranzutreiben, wobei insbesondere Legions-Magier Venetus Maior von den Venetern (Sahinas Sohn) eine tragende Rolle spielt. Die magiebegabte Sklavin Puella wird zunächst von einem Magier käuflich erworben, der sie bei unappetitlichen Experimenten zu seiner Gehilfen ausbildet und später für geheime Missionen einsetzt. Wir erleben Puellas weiteren Werdegang, der sie auch in das Haus der Veneter führt. 

Cognitio Secretus

Warnung: Mittlere bis schwere Spoilergefahr!

Sahina von den Venetern ist eine geheime alhanische Zauberpriesterin, die in ihrer Doppelrolle versucht, als (vermeintliche)  bosparanische  Patrizierin an Einfluss zu gewinnen, und zugleich nach einer Nachfolgerin  Ausschau hält. Ihr eigentliche Bestimmung muss sie selbst vor ihrer Familie geheim halten und zugleich der Versuchung widerstehen, ganz in der Rolle der machthungrigen Patrizierin aufzugehen.

In der Shinxiria findet ein Umsturz statt, der von einem fragilen Bündnis zwischen Venetus Maior, dem kor-affinen Magier, und Clodicea Crabroda, einer Shinxirpriesterin alter Schule, betrieben wird. Wie fest das Bündnis ist und welche weiteren Ziele die Akteure verfolgen, wird offen gelassen. Nach einigen Querelen im Hinterland macht sich die fünfte auf den Rückweg nach Bosparan.

Von Marbo berührt, wird Puella zunächst dafür sorgen, dass den unheiligen Experimenten ihres Besitzers ein Ende bereitet wird, bevor sie auf Umwegen als Sklavin im Hause der Veneter landet und dort von Sahina als mögliche Nachfolgerin erkannt wird. Zu diesem Zeitpunkt holen die Schatten der Vergangenheit sie ein.

Einige Leckerbissen

Der Roman ist, insbesondere im Vergleich mit vielen anderen DSA-Romanen, ein echtes Lesevergnügen. Besonders gut gelungen ist allem voran die…

Atmosphärische Gestaltung

Kreuzt man Rome mit ordentlich Fantasy und gibt dem Ganzen noch einen echt aventurischen Anstrich, dann hat man in etwa eine Vorstellung davon, welches Flair die erzählte Geschichte vermittelt. Die für die Dunklen Zeiten charakteristischen Elemente kommen nicht zu kurz und bilden die Kulisse, vor der sich das eigentliche Romangeschehen entfaltet.

Während man sich in Bosparan weiterhin in Dekadenz übt und im Bewusstsein der eigenen Überlegenheit sonnt, regieren in den Provinzen Verfall und Anarchie und begünstigen im Barbaricum, das sich durch einen wilden Mix der Kulturen, Sprachen, Rassen und Religionen auszeichnet, die Herausbildung der späteren mittelreichischen Kultur. Zugleich fehlt ein fester Kanon akzeptierter Götter. Die alten Insektenkulte fallen in Ungnade, Anhänger verschiedener Kriegsgottheiten kämpfen um Einfluss, und bei den Todesgöttern kann der aufgeschlossene Gläubige während der Dunklen Zeiten aus einem besonders reichhaltigen Angebot wählen. Die Grenzen zwischen göttlichen und daimonischen Wesen sind zudem entweder fließend oder werden zumindest von den Anhängern verschiedener Kultur nicht mehr als solche wahrgenommen. Dieser kosmische und historische Hintergrund ist aber nicht nur schmückendes Beiwerk der Haupthandlung, sondern mit dieser an mehreren Stellen geschickt verflochten, so dass das erzählte Geschehen um eine mystische Dimension erweitert wird.

Sprachliche Gestaltung

Auch wenn die Krustentierorgie etwas anderes nahelegt: Der Roman hat zwar eine ganze Reihe lustiger Momente, gehört aber eher zur düsteren Sorte und hat auch zahlreiche derbere Szenen (Kampfszenen, Orgien) im Angebot. Positiv fällt besonders auf, dass die sprachliche Gestaltung dabei nie plakativ ist, die Autorin sich keiner der zu befürchtenden Klischeeformulierungen bedient und auch sonstigen Fallstricken wie inhaltsleeren Übertreibungen, überflüssigen Füllwörtern und schiefen Metaphern zielsicher ausweicht. Judith Vogt kann auch dreckig, derb und düster schreiben, ohne dabei das Gespür für sauber gesetzte Worte zu verlieren, und die Neigung zum ausschmückenden Erzählen, die zur Ich-Erzählerin in Im Schatten der Esse für meinen Geschmack noch nicht so recht passen wollte, kommt hier diesmal voll zur Geltung.

Handlung und Personen

Die Handlung zu bewerten, ist nach der Hälfte eines Zweiteilers natürlich nur begrenzt sinnvoll, jedoch können wir auch hier schon einige Pluspunkte vermerken. Die Ereignisse brauchen für mein Empfinden nicht lange, um Fahrt aufzunehmen, das Geschehen entwickelt sich nachvollziehbar, und es kommt umso mehr Spannung auf, je mehr über die Hintergründe der beteiligten Personen enthüllt wird.

Die Figuren agieren, handeln und fühlen glaubwürdig – auch wenn man eine Weile braucht, um dies zu erkennen, da ihre tieferen Motive und Ziele im Laufe der Geschichte nur schrittweise offen gelegt werden. Manche zunächst rätselhafte Handlung und Entscheidung ergibt aus späterer Perspektive betrachtet daher bedeutend mehr Sinn. Gerade die Hauptfiguren wirken zunächst auch etwas klischeehaft, dieser Eindruck wird im Laufe der Geschichte aber geschickt durchbrochen.

Erst gegen Ende des ersten Bandes bekommt man als Leser ein Gespür dafür, wie die begonnenen Handlungsstränge miteinander verwoben werden. Genau hier bricht der Roman jedoch an der spannendsten Stelle ab, und wir hängen auf gleich dreifache Weise an der Felswand. Etwas überspitzt formuliert: Das Geschehen endet, als es gerade anfängt, so rischtisch geil zu werden. Als ich den Roman kurz nach Erscheinen fertiggelesen hatte, hatte ich für einen Moment darüber nachgedacht, in der für unsere Peergroup charakteristischen Weise vernehmlich meinen Unmut zu äußern, mich dann aber, friedliche Bruderschwester, die ich bin, für den Weg der inneren Einkehr und Besinnung entschieden.

Da die Herrin des Schwarms auch recht zeitig erschienen ist und wir nicht erst 4-16 weitere Bände voller Füllmaterial und hahnebüchenen Wendungen ertragen müssen, bis die Story an ihr Ende kommt, beschließe ich, dass die Aufteilung der Handlung in zwei Bände kein Grund ist, dem Herrn der Legionen einen Punkt abzuziehen, auch wenn die Zweiteilung unter dem Aspekt der Leserfreundlichkeit nicht ganz ideal ist. Wo wir nun aber schon mal beim Meckern sind, suchen wir doch gleich auch noch die anderen Haare in der Suppe, nachdem wir zuvor aber noch schnell den hilfreichen Anhang mit Glossar und Dramatis Personae und die schöne, kleine Karte der Kernregion des Bosparanischen Reiches von Melanie Maier gelobt haben.

Leicht bittere Beigeschmäcker

Für mein Empfinden braucht es etwas zu lange, bis es einem gelingt, Sympathie für eine der Figuren aufzubauen und sich mit einer der die Geschichte tragenden Personen zu identifizieren. Patrizierin Sahina erweckt recht lange eher den Eindruck von Mutter Beimers böser Zwillingsschwester, bis die Lesersympathien schlagartig in die andere Richtung gelenkt werden. Als Identifikationsfigur wird einem bis dahin die junge, arg gebeutelte, Sklavin Puella angeboten. Diese bringt zwar eigentlich alle Voraussetzungen hierfür mit, ist für meinen Geschmack als Trägerin der Handlung streckenweise aber zu passiv und zudem etwas überladen mit interessanten Eigenschaften. Ich konnte daher erst nach  einer Weile wirklich mit manchen der Figuren mitfiebern und hatte bis dahin eher distanziert zur Kenntnis genommen, was sich so mit ihnen ereignet.

Auch wenn Perspektivwechsel insgesamt nicht inflationär eingesetzt werden, wird es beim Lesen streckenweise manchmal doch ein wenig ‘wuselig’, zumal manche der Wechsel etwas sprunghaft wirken. Wirklich gestört wird der Lesefluss hierdurch aber eigentlich an keiner Stelle.

Zugegeben – das sind beides keine echten Aufreger, aber auf irgendetwas muss man schließlich tadelnd mit dem Finger zeigen, wenn die eigene Gassenglaubwürdigkeit als Rezensent nicht vollkommen zum Bruderlosen gehen soll. Der Pflicht sollte hiermit Genüge getan sein, und wir können zur Abrechnung kommen.

Conclusio

Was also bleibt? Zunächst einmal die freudige Erkenntnis, dass Herr der Legionen, zusammen mit Tod auf dem Mhanadi, gerade den Nachweis erbringt, dass man aus der ollen Gattung DSA-Roman doch einiges herausholen kann, wenn man sich darum bemüht, nicht nur die Geschichte der eigenen Heldengruppe nachzuerzählen oder generische Fantasygeschichten halbherzig zu aventurisieren. DSA-Romane zu lesen ist, machen wir uns nichts vor, ja sonst ein eher verschämtes Vergnügen. Man ahnt, dass man sich damit in die Nähe einer Welt begibt, in der Bastei Lübbe, Marie Luise Fischer und Horst der Barbar-Groschenhefte regieren. Angesichts so mancher Jugend- und Alterssünden, die da in den letzten kapp 140 Bänden und bis in die jüngere Vergangenheit begangen worden sind, ist es sicherlich noch zu früh, um eine Trendwende auszurufen. Das schwache Licht der Hoffnung brennt aber weiterhin, solange in unregelmäßigen Abständen auch solche Romane erscheinen und niemand den Sphärenschinder persönlich vorbeischickt, es auszupusten.

Alle Wege führen nach Bosparan, sagt man. Wer sich für die besten Exemplare dessen interessiert, was zurzeit an DSA-Romanen zu haben ist, wird früher oder später um den Herrn der Legionen nicht herum kommen.   Hoffen wir, dass auch der zweite Teil hält, was der erste verspricht. Bislang ist das auf jeden Fall ganz großes Ludere Expulsim. Eine endgültige Gesamtwertung beider Bände gibt es hier in nicht allzu ferner Zeit, bis dahin können wir euch aber schon einmal eine erste Hochrechnung anbieten:

Lediglich ein Einhorn haben wir auf unserer Zeitreise in die Dunklen Zeiten bislang verloren, das als Bademeister und Kammerjäger in den bosparanischen Thermen angeheuert hat. Der verbliebene Schwarm steht stramm in Formation und deklamiert: Oh Shinxir, der Du der Herr der Legionen von Rezensenten bist. Du bist wir, die wir acht sind.

 

Die RPG-Foren äußern sich zu "Herr der Legionen" und vergeben 92%:

Herr der Legionen – so lautet der Titel des zweiten Romans von Judith C. Vogt, der in Aventurien spielt. Seine Handlung findet in den dunklen Zeiten statt, die seit eineinhalb Jahren auch für Spielerhelden zu erkunden sind. Doch auch ohne Kenntnis dieser Box ist der Roman eine schöne Lektüre für alte DSA-Hasen, die in die Zeit vor Bosparans Fall einsteigen wollen. Auch „Systemfremden“, die hier einen mit Phantastik durchsetzten Einblick in die römische Kultur erhalten, hat der Roman einiges zu bieten.

Bevor der eigentliche Roman beginnt, findet sich eine stilvoll gemachte Karte des Horasreichs zur Zeit Dalek-Horas I. von Melanie Maier. Diese bildet bereits einen guten Einstieg in die dunklen Zeiten. Es folgt ein Vorwort der Autorin, in dem sie bereits auf das Glossar am Ende des Romans hinweist. Dies gefällt mir sehr gut. In den anderen mir bekannten DSA-Romanen fehlte mir etwas Vergleichbares. Das Glossar bietet den Lesern, denen Aventurien unbekannt ist, die Möglichkeit sich in die Terminologie einzuarbeiten. Es beschränkt sich nicht nur auf DSA-Begriffe, sondern es werden auch die verwendeten lateinischen Begriffe übersetzt.

Die Handlung des Romans beginnt damit, die erste der drei tragenden Protagonistinnen vorzustellen. Puella, eine Sklavin von außerhalb Bosparans wird nach Bosparan gebracht, da sich bei ihr eine magische Begabung bemerkbar gemacht hat und sie nun gewinnbringend verkauft werden soll. Sie malt sich eine großartige Zukunft in der Stadt aus, doch es soll anders kommen. Sie wird an einen in der Unterstadt Bosparans agierenden Nekromanten verkauft, der ihre Gabe, den Geist anderer zu beeinflussen, für seine Zwecke missbraucht. Im Verlauf des Romans kann sich Puella aber mit der Hilfe des Marbo-Tempels befreien und kommt sogar zu der Patrizierin Sahina, die sie adoptiert.

Diese ist die zweite Protagonistin des Romans. Zu Anfang wirkt sie noch unsympathisch und oberflächlich, doch ändert sich dieser Eindruck im Verlauf des Romans. So hat sie zunächst nur ihren gesellschaftlichen Aufstieg in die Reihen der Comites, den engsten Vertrauten des Horas im Sinn. Für dieses Ziel sind ihr alle Mittel recht, doch als sie nach einem erfolglosen Fest, das in einer Orgie geendet hat, erwacht, erinnert sie sich an ihr Erbe. Sie stammt von den Alhanierinnen ab, den zauberkräftigen Frauen aus dem Osten des Kontinents. Als solche hat sie sich verpflichtet, den vorausgesagten Untergang ihres Volkes zu verhindern. Mit diesem Ziel vor Augen macht sie sich zunächst auf die Suche nach einer Erbin, die sie in Puella findet.

Die dritte im Bunde ist Eiria, eine Legionärin in der Legio V „Shinxiria“. Sie hat ihren eigenen Handlungsstrang, der bis kurz vor dem Ende des Buches nicht mit den anderen zwei zusammengeführt wird. Sie erlebt den Sturm auf Gareth und wird in die Intrigen der Oberen der Legio hineingezogen. Sie hilft den Befehlshaber zu töten und verhilft somit den ältesten Sohn Sahinas, Venetus, zum Oberbefehl über die Legio. Zudem verliebt sie sich in dessen Schreiber Titus und beginnt eine verbotene Liebschaft mit ihm.

Insgesamt wird eine kontrastreiche Geschichte entworfen, die ohne zu starken Schwarz-Weiß-Kontrast auskommt. Dem überladenen Leben der Patrizierin wird das entbehrungsreiche Leben der Legionärin und das erniedrigende Leben der Sklavin entgegengestellt. So werden die großen Differenzen zwischen den Schichten klargemacht.
Die Protagonisten verhalten sich jeweils auf ihre eigene Art klischeehaft. Sahina ist zu Anfang genau die verzogene Patrizierin, die man sich vorstellt, wenn man die Stichworte „intrigant, reich, machthungrig“ zu hören bekommt. Auch die Sklavin kann zunächst nicht aus ihrer demütigen Rolle ausbrechen. Und die Legionärin ist ein Macho, wie er im Buche steht. Doch wird mit diesen Klischees im Laufe des Romans gebrochen und die Charaktere erhalten eine ungeahnte Tiefe. Sahina erinnert sich an ihr Erbe, Puella nimmt ihr Schicksal selbst in die Hand und die stake Eiria verliebt sich und bekommt sogar ein Kind.
Vogt spielt hier mit den Vorstellungen, die sich der Leser macht, und überrascht ihn dann, indem sie die Vorstellungen nicht erfüllt.
Ein Kritikpunkt lässt sich aber zur Wahl der jeweils starken Protagonisten anführen: Vogt springt manchmal ein wenig unvermittelt zwischen den Personen. So animiert sie aber auch zum Weiterlesen, da die offenen Übergänge die Spannung erhöhen.

Auch sprachlich ist der Roman sehr ansprechend. Er bietet einen gelungenen Einblick in die Gefühls- und Gedankenwelt der Charaktere und kann hierbei die Handlungen überzeugend unterlegen. Die Autorin arbeitet mit vielen Bildern, die das Gelesene veranschaulichen. Das Elend der untersten Schichten der Gesellschaft wird genauso greifbar wie die Anspannung der Patrizier, die den Horas zum Fest erwarten. Die Situation im Heerlager wird durch Flüche unterstrichen, die man den Praiosgeweihten lieber nicht hören lassen sollte. Dies kann man gut finden, oder als Kritik anführen. Diese Szenen sind manchmal ein wenig zu hart. Auch wenn die Bel’Quelel-Priester ihr Werk vollbringen, ist die Sprache manchmal für zu junge Leser nicht angemessen.

Insgesamt zeichnet Judith C. Vogt ein detailreiches Bild vom bosparanischen Reich, 356 vor seinem Untergang. Das Buch bietet eine erfrischende Lektüre, die vor allem auch in den ersten Kapiteln Lust aufs Weiterlesen schürt. Das Ende ist bleibt offen und macht Vorfreude auf den zweiten Teil, der im Juni erscheinen soll. Für mich ist dieser auf jeden Fall ein Pflichtkauf, gerade bei dem guten Preis, den man bei DSA-Romanen gewöhnt ist. Eine weitere Vernetzung ist mit dem Abenteuer möglich, das Vogt für den „Die dunklen Zeiten-Abenteuer-Wettbewerb“ eingereicht hat und das in der Anthologie „Legenden aus dunklen Zeiten“ auch schon erschienen ist.

Weitere Rezensionen finden sich bei amazon und fantasybuch.de

Rezensionen zu "Im Schatten der Esse"
Nandurion.de:

"Zita, die junge Schmiedegesellin aus Zweimühlen in der Wildermark geht auf die Walz. In der Fremde will sie Neues lernen. Doch es ist keine gute Zeit dafür. Orkbanden machen das Land unsicher, das Kriegsfürsten unter sich aufgeteilt haben. In einer Schmiede, in der ein seltsames Metall bearbeitet wird, lernt sie den Halbork Alrik kennen. Doch so nutzlos das Metall für gute Waffen zu sein scheint, Alrik ist doch daran interessiert. Zitas Neugier ist geweckt.

Der Roman von Judith C. Vogt greift ein Stück recht aktueller aventurischer Geschichte auf, jedoch ohne sich reißerisch an jene große Geschichte zu hängen. Der Fall von Wehrheim und die Folgen für jenen Landstrich welcher nun Wildermark heisst, bilden nur den Rahmen, nur die Kulisse für ihre Geschichte.
 
Im Zentrum der Geschichte stehen dabei ganz klar die handelnden Figuren. Man merkt der Geschichte an nahezu jeder Stelle an, dass für die Autorin dies der Mittelpunkt ihrer Geschichte ist. Zu Recht, ohne glaubwürdige Protagonisten und auch Antagonisten kann ein Roman den Leser kaum mitreissen.
Dies ist aber gleichzeitig auch das Problem des Buches. Die Zeit, die den Figuren und ihrer Entwicklung gewidmet wurde, fehlt an anderer Stelle. Vor allem zu Beginn des Romans fehlt es an Spannung und Tempo. Doch das ändert sich glücklicherweise und steigert sich zu einem temporeichen Finale. Zwar geht hier einiges durcheinander und nicht immer ist der rote Faden und die Logik der Handelnden erkennbar, aber die Protagonistin fängt dies auf.

Der Stil der Autorin ist wunderbar lesbar. Sie nimmt den Leser unmittelbar mit auf die Reise ihrer Protagonistin, bindet den Leser an sie. Auch wenn die Figur für ihre 16 Jahre zuweilen recht altklug und vorwitzig erscheint und in ihrem Benehmen nicht ganz dem Bild einer jugendlichen Handwerkerin entspricht, so sie doch das Herzstück des Buches. Gratulation an die Autorin für das Erschaffen einer solchen Figur. Die Ecken und Kanten, die inneren Dämonen, die Erinnerungen und Träume (welche vor allem zu Beginn den Leser eher verwirren, aber letztlich doch zum Verständnis der Figur beitragen) machen die Protagonistin unglaublig lebendig. Und vielleicht gehört es zu einer solch lebendigen Figur, dass sie nicht immer das tut, was ein Leser von ihr erwartet. Vielleicht sind kleine Unklarheiten in den Motivationen und Handlungen einer solchen Figur auch das Quentchen Realität, dass die junge Schmiedin noch glaubwürdiger macht.

Neben der Hauptfigur gibt es aber noch ein zweites Zentrum, welches nicht unerwähnt bleiben soll. Für die bisherigen Romane der DSA-Serie ist wohl kaum so intensiv irdisch recherchiert worden, wie es die Autorin für ihr Buch getan hat. Wann immer es um die Schmiedekunst, Werkzeuge, Rohlinge, Waffen, etc. geht, ist nicht nur die Protagonistin in ihrem Element, sondern auch die Autorin. Man merkt förmlich, dass sie weiss wovon sie spricht und nicht mit Halbwissen über dieses Handwerk fabuliert. So bilden Hauptfigur und Schmiedekunst in vielen Szenen eine wunderbare Einheit, in der man fast das Gefühl hat, man würde die Schmiedin bei etwas Intimem stören. Großes Lob dafür.

Neben diesen Zentren, die das Buch positiv prägen, verliert leider die Dramaturgie des Buches deutlich an Boden. Die Handlung fließt meist relativ langsam, oft vorhersehbar dahin. Das trübt den Lesegenuß ein wenig. Auch die Entwicklung der so liebevoll gezeichneten Figuren lässt ein wenig zu wünschen übrig. So gibt es zwar für die zwei wichtigsten Protagonisten eine deutliche Weiterentwicklung, doch geschieht diese so spät und auch so nebenbei, dass man sie glatt überlesen kann. Im Gegensatz dazu macht einer der Antagonisten durchaus eine deutlich Entwicklung durch. Allerdings geschieht dies in “Abwesenheit” des Lesers, so dass man nur als Ergebnis die entwickelte Figur vorgesetzt bekommt.

Ein Fazit zu diesem Roman zu ziehen fällt schwer. Selten waren Hauptfigur und Thema so eins und konnten so eine intensive Beziehung zum Leser aufbauen. Doch gleichzeitig schmälern Passagen diesen Erfolg, indem sie den Leser eher verwirren und den roten Faden vermissen lassen. So bleibt letztlich nur der Schluß, dass dies Buch sicher besser als der Durchschnitt der DSA-Romane ist, aber auch keineswegs zur Spitzengruppe gehört. Auf jeden Fall kann man auf weitere tolle Bücher der Autorin, mit hoffentlich ebenso wunderbaren Figuren wie Zita hoffen.

7 von 9 Einhörnern schließen sich der Meinung an und lassen sich probehalber von Zita die Hufe beschlagen."


Helden.de
:

Die Wildermark – vom Krieg zerbrochen, von falschen Hoffnungen getäuscht, ist dies kein gutes Land, um allein auf die Walz zu gehen. Dennoch macht sich die junge Schmiedegesellin Zita aus Zweimühlen auf, um ihr Handwerk zu vervollkommnen. Gejagt von den niemals ruhenden Geistern ihrer Vergangenheit gilt es, inmitten plündernder Orkbanden und intriganter Kriegsfürsten zu bestehen. Als zudem verdorbene Klingen aus Sternenstahl auftauchen, welche drohen, die Seelen ihrer Opfer für immer in die Niederhöllen zu zerren, schließt sich Zita dem Schwertgesellen Ulfberth an. Sie stellen sich einem grausamen Feind, um das ohnehin gebeutelte Land vor einem weiteren Fluch zu bewahren; einem Fluch, der den Krieg in der Wildermark nie enden ließe.

Meinung:
Judith Vogt scheint das typische "Wie fange ich an"-Problem zu haben. Man will den Anspruch am Anfang schließlich hoch setzen und sofort den richtigen Einstieg schaffen. Dass man dabei aber häufig über das Ziel hinausschießt und dazu neigt zu genau und irrelevant auszuschmücken und Schachtelsätze zu bilden (ja, einer wie dieser hier), bemerken die Autoren häufig gar nicht. Der Klappentext ließt sich gut, aber zumindest auf den ersten 50 Seiten war ich enttäuscht. Zwar bessert sich nach 10 Seiten die Sprache und das Buch geht flüssiger zu lesen, aber die Spannung mag einfach nicht kommen. Alles plätschert so vor sich hin, ohne dass der Leser ein Gefühl für die Geschichte bekommt. Es wirkt, als würde dieser Teil nur dazu dienen, das Buch auf die entsprechende Seitenzahl zu puschen. Ein Rückblick, oder eine kürzere Zusammenfassung hätte es nämlich auch getan.

Somit hegte ich anfangs nicht viel Hoffnung, dass ich das Buch in irgendeiner Form genießen könnte. Aber für die Leute, die nicht verpflichtet sind ein Buch zu lesen, weil sie es bewerten müssen, rate ich: Durchhalten! Nach den ersten 50 Seiten geht es los. Ich kann gar nicht sagen, was mich begeistert. Es ist eine schöne, fließend zu lesende Geschichte ohne Mary Sue! Ausnahmsweise hat man mal nicht das Gefühl den Lieblingshelden des Autors zu folgen, der tun kann, was er will, ohne dass es Konsequenzen hat. Und das obwohl das Buch in der Ich-Perspektive verfasst ist.

Die Helden haben Defizite, die durchaus Auswirkungen haben können. Es gibt kein Glück, das letztlich alles zum Guten wendet und auch keine Absolution, wenn etwas schrecklich schief läuft. Es ist eine Geschichte, wie sie in die Wildermark gehört. Kalt, mit nur einem Fünkchen Hoffnung auf Besserung. Ein Licht, das jeden Moment droht zu erlöschen. Anfangs habe ich es nicht bewusst bemerkt, aber die Autorin schafft eine untergründige, düstere Atmosphäre. Untergründig, weil düster oder kalt nie auftaucht, aber jedes Bild, das man sich durch die Beschreibungen vorstellt, wie Wolkenverhangen, oder neblig wirkt. Wie gesagt, ich kann nicht sagen, wie der Autorin das gelingt, aber es ist verdammt nochmal gut!

Allerdings merkt man, dass das Buch von einer Frau geschrieben wurde. Eine kleine Liebesgeschichte muss rein und natürlich ist der Mann perfekt. Dabei geht es weniger um das gute Aussehen, als darum, dass er immer das (romantisch gesehen) Richtige zu machen scheint. Das ist eine Wunschvorstellung, die so nur von einer Frau kommen kann. Zum Glück ist das nicht überzogen, sondern begleitet die Geschichte nur, wie ein weiterer Lichtschimmer. Nicht so ganz passend, aber alles Andere als störend.

Die Protagonistin ist einfach genial. Wie schon erwähnt, ist sie keine Mary Sue, sondern ein sehr gut durchdachter Charakter mit Fehlern und Kanten. Und davon nicht gerade wenige! Eine wirklich spannende Figur, die man erst gegen Ende wirklich versteht. Der Detailreichtum der anderen Charaktere leidet zwar etwas darunter, dass auf die Persönlichkeit von der Schmiedin Zita so viel Wert gelegt wird, aber das stört ehrlich gesagt nicht wirklich.  Ich mag diesen Charakter, der doch so wenig liebenswürdig ist.

Fazit:2
„Im Schatten der Esse“ ist ein Roman, dessen Qualität man erst relativ spät entdeckt. Man muss ihm die Chance geben sich zu bewähren und die ersten 50 Seiten durchhalten, bis man ein wirkliches DSA-Leseerlebnis erfährt. Wäre es kein DSA-Roman, würde ich ihm die Note 2 geben, da es aber unter das Romanen positiv heraussticht und der Spaß nicht nur auf der Sympathie für die DSA-Welt begründet liegt, ist die DSA-Wertung bei einer glatten 1 anzusiedeln. Eine wirklich mehr als solide Leistung für ein Erstlingswerk. Ich bin mir sicher, dass Frau Vogt das Anfangsproblem bei ihren Folgeromanen ausmerzen kann und der Lesespaß ohne wenn und aber gegeben ist.

Weitere Rezensionen findet ihr bei amazon, ciao.de und den Blutschwertern!