Freitag, 24. Mai 2013 - 10:29 Uhr
Für den Deutschen Phantastik Preis kann man noch in dieser Woche abstimmen - jetzt aber schnell:
http://www.dontapir.de/dpp/Vorrunde/
Ich habe auch direkt ein paar Empfehlungen für euch: "Die zerbrochene Puppe" würde gerne ins Rennen für den besten deutschsprachigen Roman gehen, Alex Jahnkes "Steampunk - kurz & geek" eignet sich hervorragend als Sekundärliteratur, "Das Schwarze Auge" könnte Perry Rhodan auch mal als beste Romanreihe ablösen (oder es zumindest versuchen) und die Anthologien aus dem Verlag Torsten Low verdienen auch ein wenig Anerkennung. :)
Na, das lohnt sich doch schon mal, oder?
Für jede Stimme bedanken sich bescheiden
Judith & Christian
Dienstag, 21. Mai 2013 - 10:56 Uhr
Zuerst einmal gibt es etwas Neues zur Krieger-Anthologie. Unser aller Lieblings-Buch-und-Rollenspiel-Soundtrack-Komponist Ralf "Orkpack" Kurtsiefer hat auch zu den Kriegern Musikalisches beigesteuert. Anhören kann man es HIER - viel Spaß damit!
Und wo wir gerade bei Kriegern und Liedern über solche sind - "Schwertbrüder" geht Anfang Juni ins Lektorat. Und da schon einige bei Facebook oder per Mail nachgefragt haben, was sich denn nun genau hinter unserem neuesten Romanprojekt verbirgt, gedenke ich, euch nun aufzuklären und zwar mittels einiger nicht ganz ernstgemeinter Fragen an mich selbst. Schließlich wünschen wir uns alle mal ein Interview mit dem Spiegel. Höhö. ;)
Liebe Judith, lieber Christian, warum schreiben wir eigentlich einen historischen Roman? Muss das denn sein, dass so viele Fantasyautoren früher oder später in die Mittelalter-Sparte wechseln?
Nein, das muss nicht sein. Daher haben wir die Mittelalter-Sparte auch einfach links liegen gelassen und uns in die Antike gebeamt. Anlass war die Anfrage des Ammianus-Verlags: „Schreibt doch mal was Historisches, das Thema lasse ich euch aussuchen.“ Und da gibt es halt so ein Thema, das uns schon seit Jahren fasziniert: Der erste gallische Aufstand – nein, nicht der, den alle aus Asterix kennen, mit Vercingetorix und dem Waffenkladderadatsch vor Caesars Füßen. Der Aufstand, der vom Eburonenfürsten Ambiorix angezettelt wurde, und zwar auf Belgierland zwischen Rhein und Maas.
Ambiorix, für dessen Darstellung Christoph Waltz seinen dritten Oscar kriegen wird, hat mittels nicht ganz legitimer Methoden wie Verrat und Betrug anderthalb Legionen in einen Hinterhalt gelockt, um sich danach aufs Pferd zu schwingen, und das Ganze auch noch bei zwei anderen Legionen zu versuchen. Stoff für Heldensagen.
Ist das ein richtiger historischer Roman, also so mit langweiligen Fakten, oder eher so was wie „Die Nassbimserin“ und „Die Rache der Nassbimserin“?
Die beste Antwort lautet nun: Weder noch. „Schwertbrüder“ und „Verbranntes Land“ sind das, was Cicero im Klappentext der Reklamausgabe von De bello gallico beklagt: „Während aber der Autor [Caesar] nur den Stoff bereitlegen wollte für andere, die Geschichte zu schreiben beabsichtigen, hat er wohl eher den Toren einen Dienst erwiesen, die nun versuchen werden, seine Texte mit der Brennschere aufzufrisieren.“
Jawohl, mit der Brennschere! Historisch korrekt, ohne wanderhurende Klischees, dafür fast, furious und manchmal fun.
Dürfte ich mich bitten, einen Vergleich anzustreben, damit ich weiß, ob ich mir dieses Brennscheren-Buch kaufen soll?
Soll ich richtig dick auftragen? „Herr der Legionen“ meets Saxon Stories (die Uhtred-Romane) von Bernard Cornwell meets eine kleine Prise Quentin Tarantino.
Wann wird der Roman erscheinen?
„Schwertbrüder“, der erste Teil vom zweiteiligen „Eburonenlied“, erscheint noch in diesem Sommer beim Ammianus-Verlag – es ist der zweite Roman, den Christian und ich zusammen geschrieben haben.
Gibt es schon eine Leseprobe?
Ja. Unlektoriert, ungesetzt, aber bitte schön:
V.
Segova sah dem Kampf zu. Esos hatte Acco herausgefordert. Beim Essen in ihres Vaters Haus hatte Ambiorix‘ ältester Gefolgsmann nach einer Keule des Kaninchens gegriffen, als Acco gerade das Messer daran ansetzen wollte.
„Ich bin der Neffe des Königs“, hatte Acco gesagt.
„Ich bin die Leibwache des Königs“, hatte Esos entgegnet und genüsslich die Zähne in das Fleisch geschlagen. „Ein Neffe zu sein, heißt erst einmal nicht viel. Jeder ist ein Neffe von irgendwem. Und wer in Ketten vor Orgetos Hütte gehockt hat, hat sich sicherlich nicht im Kampf verdient gemacht.“
Acco verschluckte sich an seinem Brotfladen.
„Dass ich in Ketten lag – war ein Plan!“, hustete er. Ambiorix sah mit einem langsamen Blinzeln zwischen den beiden hin und her und nagte das Hinterbein des Tiers ab. Sein Blick traf den Segovas, und sie zog unschuldig die Augenbrauen hoch. Der König grinste und wischte sich den Bratensaft aus dem Bart.
„Willst du mir nicht zeigen, ob du mehr kannst, als Neffe von jemandem zu sein? Oder Teil von einem Plan?“, hatte Esos gelockt.
Und nun standen die beiden Männer ohne Tunika auf dem Platz zwischen den Gehöften.
Ambiorix, einen Becher Met in der Hand, lehnte sich neben Segova an die Hauswand. „So kenne ich Esos ja gar nicht.“
„Mag sein …“ Segovas Blick haftete ungerührt auf dem Schauspiel. „… dass er auch Teil von einem Plan ist.“
„Welchem Plan? Meinen Neffen bloßzustellen?“
„Wenn er sich bloßstellen lässt. Er hat sein großes Maul nicht bei den Aduatucern an der Kette gelassen – mal sehen, was es wert ist“, lächelte sie und trank an seinem Becher.
Es waren stumpfe Waffen, mit denen die beiden kämpfen sollten – Ambiorix hatte es gefordert, denn kein Blut sollte so kurz vor einer Schlacht vergossen werden. Aber ein eingeschlagener Schädel wäre auch ohne viel Blut ein schlechtes Omen. Und ein stumpfer Hieb konnte schnell zu einer derartigen Verletzung führen, wenn er nur mit genügend Wucht geschlagen wurde. Acco hielt die Klinge in die Höhe und drehte sich einmal um sich selbst, beifallheischend. Er erntete aus dem Rund der Bewohner, die neugierig ihre Häuser verlassen hatten, ein paar anfeuernde Rufe und das Gekicher einiger Mädchen. Esos gönnte sich keine solchen Mätzchen, griff das Schwert mit beiden Händen und hielt es, Spitze voran, rechts von seinem Leib – zog es leicht zurück, als wolle er im nächsten Moment damit zustechen.
Acco wandte sich ihm zu, das Schwert immer noch in einer Hand erhoben – er grinste.
Er war muskulöser als Arist, doch der Leibwächter ihres Vaters übertraf selbst ihn an Masse. Accos Muskeln spielten unter seinen Schultern, als er Esos‘ Angriff nicht abwartete, das Schwert auf den Schädel des anderen herabsausen ließ. Esos riss das Schwert hoch, fing die Klinge ab. Der Hieb war mit Wucht geführt, und der Krieger wollte diese Wucht nutzen, um Acco aus dem Gleichgewicht zu bringen. Acco jedoch änderte den Winkel, zwang Esos‘ Arme herab und stieß ihm dann einfach die freie Hand ins Gesicht. Auch Esos schlug wild mit der Linken zu, doch Acco ließ mit seinen langen Fingern sein Gesicht nicht los und nahm damit den Hieben ihre Wirkung, schob den massigen Krieger nach hinten, rammte ihm das Knie in die Weichteile und den Knauf des Schwerts auf die Finger der Waffenhand. Esos schrie auf, ließ das Schwert jedoch nicht los und tat Acco auch nicht den Gefallen, in die Knie zu gehen und sich die Eier zu halten. Acco nahm das mit Gleichmut, löste seine Hand aus der Visage des anderen, um den Wimpernschlag, den Esos brauchte, um sich zu orientieren, zu nutzen, indem er ihm die Stirn auf die Nase schlug. Esos taumelte zurück, ging zu Boden, und Acco setzte ihm die Spitze des Schwerts auf die haarige, breite Brust, die sich ächzend hob und senkte. Esos ließ das Schwert fallen, griff sich nun doch stöhnend in den Schritt und ergab sich.
„Ich hoffe, die Keule ist noch warm“, schnaubte Acco und ging hinein, um zu essen.
Ambiorix trat vor, als sich das Klatschen und die Zurufe der Umstehenden erhoben, um seinem Ambacto auf die Schulter zu klopfen. „Soll Duinne ein Ei für dich kochen?“, grinste er.
Der andere stöhnte nur schmachvoll, obgleich er sonst selten um eine scherzhafte Bemerkung verlegen war. Arist versuchte, ihn aufzumuntern: „Tja, so kämpfen eben nur Aduatucer. Beißen, kratzen und treten, bis sie haben, was sie wollen. Keine hohe Schwertkunst. Du konntest einfach nicht gegen so einen siegen.“
Esos biss die Zähne zusammen und nickte nur schnaubend. Duinne bückte sich mit einem Gesichtsausdruck zwischen Gram und verschämter Belustigung und strich ihm über die Wange. Die beiden waren nicht verheiratet, doch es war kein Geheimnis, dass ihre Zwillinge seine Kinder waren.
Segova ging zu Acco hinein. Er saß nur in Bracae und Schuhen am Tisch und hatte die Füße hochgelegt. Er kaute und sah dabei schrecklich selbstzufrieden aus.
„Ich habe Esos befohlen, sich die Keule zu nehmen. Ich wollte sehen, wie du kämpfst“, sagte sie herausfordernd.
„Und, bist du zufrieden?“ Er nahm die Füße vom Tisch.
„Sie finden, du kämpfst wie ein Mädchen. Kratzt und beißt.“
Er zuckte mit den Schultern. „Ich hätte ihn auch mit der stumpfen Klinge aufspießen können. Wäre das deinem Vater lieber gewesen? Esos ist ein guter Mann – nehme ich zumindest an, er war nämlich noch vor drei Wintern ein guter Mann. Und es hieß, kein Blut am Vorabend einer Schlacht.“
„Er blutet aus der Nase.“
„Ein Appetithappen für die Götter. Sag ihm, er soll sein Blut bei den Eiben opfern.“ Der Hunger auf die Keule schien ihm ein wenig zu vergehen, er legte sie halb abgenagt zur Seite. Sie setzte sich neben ihn.
„Ich erinnere mich, worüber wir gesprochen haben, bevor du zu Catuvolc gegangen bist“, sagte sie, und nur einer der großen Hunde hob den Kopf, um zu lauschen. „Ich hoffe, dass du die Schlacht überlebst, die mein Vater heraufbeschwört. Nicht nur, weil du mein Vetter bist.“
„Ich bin nicht dein Vetter.“
„Du willst der Neffe von jemandem sein, aber nicht der Vetter von jemand anderem.“
Er lachte und nahm die Keule wieder auf. „Richtig.“
Die Keule hielt seinen kritischen Blicken stand. „Es ist schwierig. Ihm so zu gefallen, wie du es tust“, sagte er dann langsam. „Das habe ich gestern gesehen. Du … du.“ Er rang nach Worten. „Du erkennst seine Pläne und bewegst dich darauf wie ein Eichhörnchen auf einem dünnen Zweig. Ich sehe diesen Zweig manchmal kaum, und er fürchtet sicher, dass ich ihn abbreche, ungeschickt wie ein … ein …“
„Habicht, der in der Baumkrone landet“, lächelte sie. Er zuckte ein wenig gequält mit den Schultern.
„Ein Habicht?“
Sie grinste: „Oder lieber ein Hirsch, der röhrend durchs Dickicht bricht und mit seinem Dickschädel alle Zweige abbricht?“
„Das schon eher“, gab er zu, und dachte an den Tag zuvor.
pridie
Ein Tag zuvor
Ambiorix sah Arist mit einem gefährlichen Zucken seiner Augenbraue an, als der junge Mann sich innerhalb der Umfriedung vom Pferderücken gleiten ließ. Der Abend war längst hereingebrochen, doch Acco und Arist hätten, zusammen mit den Wagen voller Vorräte, erst am nächsten Tag zurückkommen sollen.
„Was ist mit dem Tribut? Hält Catuvolc sein Wort nicht?“, bellte Ambiorix.
„Wir …“ Arist versuchte, zu Atem zu kommen. „Wir sind auf die Römer gestoßen, als wir das Indatal verlassen haben. Unglaublich viele, immer zu vieren nebeneinander.“
„Unglaublich viele? Ob du wohl das Zählen verlernt hast? Und wo ist Catuvolcs Tribut?“, fragte Ambiorix, nun mit leiser Stimme. Acco griff nach den Zügeln von Arists Pferd und übergab beide Reittiere einem Mädchen, das sie füttern und trocknen würde.
„Es waren alle. Alle von Cottas Männern. Die Trosswagen. Die Sklaven. Die Reiterei.“
„Sie sind bereits hier?“ Ambiorix stieß nachdenklich die Luft aus.
„Wir haben ihnen den Tribut übergeben“, sagte Arist und richtete seinen Gürtel und die Waffe daran. „Mit freundlichen Wünschen vom Fürsten der Eburonen.“
Ein Lächeln kämpfte sich zurück auf Ambiorix‘ Gesicht. „Das hat ihnen sicherlich gefallen. Ich bin ein wahrhaft guter Gastgeber. Rigani, die Treue, wäre stolz auf mich.“
„Und Rigani, die Blutige, wird es bald auch sein“, sagte Acco, der Segova zugelächelt hatte, die auf der Türschwelle von Ambiorix‘ großem Haus stand und zu ihnen herüber sah.
„Ich sorge mich um die Treverer. Einer ihrer Könige scheint seine Verpflichtungen gegenüber Caesar gar zu ernst nehmen zu wollen“, sagte Ambiorix düster. „Und wenn ihr die Römer schon so nah am Tal der Inda getroffen habt – dann werden sie nun schon in der Fliehburg sein.“
„Indutiomaro wird rechtzeitig seine Aufgabe erfüllen, Vater. Und dann werden wir es mit den Römern halten, wie sie es mit den Aduatucern am Falhizberg gehalten haben.“
„Um es genauso zu halten, sind wir zu wenige. Eine Belagerung, bei der sie die Vorräte fressen, die uns über den Winter bringen sollen, wird nicht funktionieren. Aber nun gut – ich habe den Göttern bei Urduos‘ Grab ein großes Opfer gebracht. Sie werden nicht anders können, als mir etwas dafür zurückzugeben.“
Ambiorix sah nachdenklich den Pferden nach, auf deren Flanken der Schweiß glitzerte.
„Ruft die Krieger zu den Waffen! Kundschafter in alle Himmelsrichtungen“, befahl er in die Richtung der vier Männer seiner Leibwache, die sich wie immer in der Nähe ihres Königs aufhielten, doch auch Arist fühlte sich sofort angesprochen und kämpfte seine Erschöpfung nieder. „Ich will wissen, wer kommt und wann. Ich will wissen, wann wir an der Inda sein werden und wie viele wir sind – ob wir genug sind für zehntausend Römer!“
ad Treveros
Bei den Treverern
Cingetorix hatte seine Begleiter weit hinter sich gelassen, als er das zweite Pferd an die Schwelle zum Erschöpfungstod trieb. Unter ihm bebte das Geschöpf, der Atem trieb Schaum vor die Nüstern. Das Tier lahmte, seit es auf diesem vermaledeiten Weg durch die Wälder in einen Kaninchenbau getreten war.
Doch Indutiomaros Verbund war bereits in Sicht – er hatte Hunderte Speerkrieger und noch mehr Bauern um sich gesammelt, und auch elendes Gesindel, Pack aus den Wäldern, das für gewöhnlich bloß wegelagerte und Gehöfte überfiel.
Solch einen Tross führte er an, mit eindeutigen Absichten, wiewohl sie doch nur zu zweit den Krieg erklären konnten, niemals einer allein! So war es seit jeher – es war der Sinn zweier Könige, dass keiner ohne den anderen den Krieg erklären konnte, denn den Krieg erklären war eine große Sache und durfte nicht in einem Kopf allein ausgeheckt werden, und mochte Indutiomaro hundert Mal der Vater von Cingetorix‘ Frau Betuwen sein!
Viele Schleuderer und Bogenschützen und Speerträger zählte Cingetorix, als er den Kriegstrupp überholte – mehr unedle Kämpfer als Speere; und das hatte seinen Grund. Jede hohe Familie der Treverer hatte einen Sohn als Geisel an Caesar ausliefern müssen – so war es beschlossen worden, und dafür hatte er, Cingetorix, eingestanden, denn solcherlei Bande wurden seit jeher mit Hilfe von Geiseln geknüpft. Hatte nicht Indutiomaro selbst seinen Sohn fortschicken müssen?
Was er hier tat, war Wahnsinn, ein gefährlicher Wahnsinn, den die Könige im Norden ihm in den Kopf gesetzt hatten.
Cingetorix trieb sein Pferd an den langen Linien der Krieger vorbei, bis er genügend Aufsehen erregt hatte, dass Indutiomaro sich ihm zuwandte, das Pferd auf eine Anhöhe lenkte, wo viele das Zusammentreffen der Könige beobachten konnten.
„Taranis‘ geballte Faust! Willst du dich mir anschließen, Mann meiner Tochter?“, brüllte der ältere König den jüngeren an. Cingetorix‘ Pferd rang pfeifend nach Atem, doch er saß nicht ab. Mochte es sich eine Weile mit ihm im Sattel ausruhen.
„Hast du den Verstand verloren? Was tust du?“, gellte Cingetorix zurück. Indutiomaro war ein imposanter Mann, ein Kriegerkönig – älter zwar, doch noch weit diesseits des körperlichen Verfalls. Sein Bauch spannte über dem Gürtel die Tunika, doch seine Hüften waren schmal und seine Arme muskulös. Er trug den Bart geflochten bis zur Brust, und kein einziges graues Haar war darin.
„Du weißt, dass sie die Geiseln töten werden! Hunderte Geiseln!“
„Und du, Mann meiner Tochter, weißt, dass sie freudig sterben werden, um uns frei zu sehen! Dass Eso ihre Seelen zurückbringen wird!“
Cingetorix ballte die Faust um seine Zügel. Das Pferd ließ den Kopf hängen, hoffte nervös, dass er zulassen würde, dass es sich ausruhte.
„Wir werden uns keinem Aufstand anschließen. Das wurde beschlossen.“ Indutiomaro reagierte nicht. „Es wurde beschlossen!“
Aufstand. Dieses Wort geisterte umher unter den Stämmen diesseits des Rhenus‘. Die Götter meinten es nicht gut mit den Fremden aus dem Süden und bescherten eine schlechte Ernte, um ihren Unmut über die Besatzer kundzutun. Die Ernte reiche nur für einen von beiden, so hieß es – Treverer oder Römer.
Aufstand. Der König der Carnuten, ein Freund Roms, sei ermordet worden von seinem Volk, hieß es.
Aufstand. Einer ihrer Legionen war daraufhin aus dem Land der Belger abgezogen. Und hinterließ eine verlockende Lücke im Netz der Legionslager.
Aufstand. Wahnsinn. Die Legionen waren immer noch unbezwungen. Und Rom würde sich nach dieser kurzen Zeit der Schwäche daran erinnern, welcher Stamm Verrat begangen hatte.
Rom würde sich aber auch ganz genau an seine treuen Verbündeten erinnern – und Cingetorix würde sich sein Verhandlungsgeschick von Jahren nun nicht auf einen Schlag ruinieren lassen, den Vorteil seiner Erziehung in Rom, die sein Vater bereits in seiner Kindheit für ihn veranlasst hatte.
Er zog sein Schwert aus der Scheide und wies damit auf den älteren König. „Du wirst kein König mehr sein! Du wirst der Feind der Treverer sein, und jeder, der dir folgt! Hört ihr das? Dieser Mann und jeder, der ihm folgt, wird ein Feind der Treverer sein!“
Indutiomaro zog ebenfalls sein Schwert und wandte sich den Reihen seiner Krieger zu – grimmige Männer, mit wuchtigen Schilden auf dem Rücken, in Felle und Wolle gehüllt. Keiner von ihnen reagierte auf Cingetorix‘ Worte.
Sie haben gewusst, dass es so kommen würde. Entlaufende Sklaven sind darunter und Verbrecher, die er damit lockt, dass ihre Taten vergessen sind!
Wut kroch in ihm hoch, Indutiomaro schnitt mit dem Schwert durch die Luft.
„Dann sind wir nun Feinde. Dein Vater hat deine Schwester nach mir benannt. Du hast meine Tochter geheiratet. Was ist mit Caesar? Wann hast du beschlossen, sein Sohn zu sein, sein Bruder? Sein Bett zu teilen? Als du in Rom warst, haben sie dich da zu einem Bettenwärmer erzogen?“ Er hob das Schwert und ließ das Pferd sich einmal um sich selbst drehen. „Und Caesar ist nicht hier – er hat das Land verlassen und drei Legionen zurückgelassen! Drei Legionen werden wir in diesem Winter vernichten! Im Frühjahr noch einmal drei! Und dann noch einmal – bis sie alle tot sind! Ist das so?“
Sie schrien zur Antwort – aus jeder Kehle entstiegen Hass und Wut und wilde, grausige Freude.
„Aber ich vergaß – du hast mir gerade den Krieg erklärt. Das vergesse ich nicht, Cingeto. Wenn ich zurückkehre und siegreich bin, dann wirst du mich um Verzeihung bitten – oder der Tod der Geiseln wird nicht der einzige sein, den deine Verbündeten zu betrauern haben.“ Indutiomaro sah ihn kalt an und deutete nun auch mit der Klingenspitze auf ihn. Schwert wies gegen Schwert – und obwohl sie sie nicht bewegten, durchschnitten sie alle Bande, die sie verbunden hatten.
Sonntag, 05. Mai 2013 - 21:50 Uhr
Wer ist dieser Mann? Warum hat er ein Schwert? Warum ist da ein Luftschiff? Warum brennt die Stadt?
Antworten darauf gibt es diesen Sommer in der Kurzgeschichtensammlung "Krieger", die beim Verlag Torsten Low erscheint und in der zwei vogtsche Stories enthalten sind - neben Geschichten von netten Kollegen wie Tom Daut, Heike Schrapper und Mike Krzywik-Groß (und vielen anderen, die ich noch nicht persönlich kenne, aber dringend kennenlernen muss).
"Schwertbrüder", der erste Teil unseres historischen Romans über den Ambiorix-Aufstand 53 v. Chr., ist mehr oder weniger fertig - das sollte er auch sein, denn Ende des Monats geht er ins Lektorat und erscheint dann recht flott noch im Sommer bei Ammianus. Demnächst gibts hier einen kleinen Teaser.
Und a propos Ammianus: Viele von euch warten auf den zweiten Teil von "Die Geister des Landes". Er wird auch erscheinen. Nur nicht im Mai. Bei Ammianus wird "Schwertbrüder" zuerst erscheinen, und demzufolge "Gesichtslos" ein wenig verschoben. Ich hoffe, dass euch das Warten nicht allzu schwer fällt! In der Zwischenzeit - verschenkt den ersten Teil doch einfach ein paar Mal an gute Freunde, nerdige Jugendliche (und solche, die es werden wollen) und Leute, die sonst Eifel-Krimis lesen und dringend mal Eifel-Fantasy brauchen. :)
Eine Verabredung mit Rutger Hauer
Mittwoch, 24. April 2013 - 19:29 Uhr
Danke, mein lieber Verleger, dass du in der Archäologen- und Museumsszene so ziemlich jeden kennst und uns auch noch auf eine Tagestour an den lieblichen Rhein mitnimmst, bei blauem Himmel und grünen, jawohl, grünen Bäumen, denn der Frühling war da unten schon sicherlich zwei Wochen weiter als hier bei uns.
Und nur deswegen durften wir heute in Gegenwart eines Legionärsschädels, der einst mittels eines langen Nagels einen gallischen Türbalken geziert hat, mit einem Archäologen, der mitreißend erzählen konnte und aussah wie Rutger Hauer, über die Treverer fachsimpeln.
Hach, das sind die Momente, in denen das Autorenleben schön ist. ;)
Und viel mehr kann ich auch schon gar nicht mehr schreiben - denn ich stecke Hals über Kopf in "Schwertbrüder", dem Roman zum Ambiorix-Aufstand, und das Ultramegageheimprojekt BoR steht schon vor der Tür, winkt und hupt.
Aber das ist schön. Blauer Himmel. Grüne Bäume. Was zu tun fürs Hirn. Nette Archäologen. Besichtigung der Römervilla Ahrweiler. Gespräche mit einem Andernacher Kollegen im Sonnenschein. Das Leben ist gut
... und alle Forentrolle schweigen heute.
Montag, 15. April 2013 - 12:48 Uhr
Ich habe nur viel zu tun ... Aber heute, heute habe ich Geburtstag und extra für mich gibt es heute Abend eine Folge Game of Thrones ;) ... Es ist ohnehin ein nerdiger Geburtstag, vielleicht der nerdigste ever. Vom Doktor (also Christian, nicht Who) gabs heute morgen Comics von Firefly und Buffy, eine selbstgebaute (!!11elf) Notfallbox, bei der man "in case of zombie pirates" nur die Scheibe einschlagen muss, um ein Root Beer in der Hand zu halten uuuuuuund die 20th anniversary edition von "Werewolf - the Apocalypse" (allerdings erst mal "nur" als pdf, denn sie ist noch im Druck). Das ist mal ein Kracher. :)
Was auch ein Kracher war, war die Lesung letzte Woche. Vielen Dank an Marlene Kalbfleisch, das Team der Buchhandlung Kirschner und Herrn Höhner (www.jenshoehner.net), der für den Rhein-Sieg-Anzeiger zugegen war und photographiert hat. Der Steampunkabend wurde abgerundet von Schokoküssen mit Zuckergussfliegerbrillen und einem Kuchen in Zahnradform - und noch mehr fürs Auge gabs bei einem Scherenschnittkurzfilm. Die Ohren haben wir ja dann mit der Lesung bedient, und ich bin glücklich, dass am Ende alle rundum glücklich waren. Herzlichen Dank!
Wo wir bei Kracher sind: Ein Kracher WÄRE ja z.B. auch eine Nominierung bei Deutschen Phantastik Preis - für "Die zerbrochene Puppe" und die DSA-Romanreihe. Wenn ihr mir also gewogen seid (und weil ich ja heute Geburtstag habe :D), besucht doch folgende Seite:
http://www.dontapir.de/dpp/Vorrunde/
erstellt euch einen Account und reicht eure Vorschläge ein! Vielen Dank!
Warum wird man eigentlich Schriftsteller?
Freitag, 05. April 2013 - 22:20 Uhr
Haha! Einfache Frage! Damit man irgendwann mal ein Buch schreibt, das JEDER liebt, und wozu es dann Rezensionen wie diese gibt:
(Oder diese: phantastikcouch.de
Oder diese: clockworker.de)
Donnerstag, 04. April 2013 - 10:04 Uhr
... und zwar am 9.4. um 20 Uhr in der Buchhandlung Kirschner in Troisdorf. Wir freuen uns darauf, dem geneigten Publikum aus der Zerbrochenen Puppe vorzulesen und auch hoffentlich auf interessante Gespräche über Gott und die Welt, Physik und Eiszeiten.
Marlene Kalbfleisch, Auszubildende in der Buchhandlung Kirschner, hatte im Rahmen ihrer Ausbildung bereits durch die Schule des Deutschen Buchhandels Kontakt mit Oliver Graute von Feder & Schwert. Mittlerweile beinhaltet die Ausbildung einer Buchhändlerin sinnvollerweise auch die selbstständige Veranstaltung einer Autorenlesung (das war zu "meiner Zeit" noch nicht so, auch wenn ich zum Glück in einer kleinen Buchhandlung gelernt habe, in der ich dann trotzdem Lesungen organisieren durfte). Frau Kalbfleisch wollte gerne einen Autoren von Feder & Schwert einladen und ihre Wahl fiel dann auf uns, was uns natürlich sehr freut und uns Gelegenheit zu einer weiteren "szenischen" Lesung im Dialog und im passenden Outfit gibt.
So, Christian übt schon fleißig den italienischen Akzent des venezianischen Polizisten und ruft "ßeiße, ßeiße, Signor" auf der Treppe. ;) Wir freuen uns auf Dienstag! Kommt zahlreich!
Samstag, 30. März 2013 - 13:51 Uhr
So, dies wird ein religiöser Osterblog.
Es ist nämlich so, dass ich mir meine eigene Religion ausgedacht habe.
Schockschwerenot! Ja, ich gebe das offen zu. Ich glaube an etwas, das für mich Sinn macht, und dieses Etwas habe ich mir zusammengeklaut und ausgedacht. Deshalb bekehre ich auch niemanden, denn ich bin mir sicher, dass dieses Etwas nur für mich ganz allein funktioniert.
Und ich bin mir sicher, ja wirklich, auch wenn ich jetzt auf Gefühlen herumtrample, dass Religion ausgedacht ist, weil wir als Menschen einfach nicht erfassen können, was "da draußen" ist und uns deshalb etwas zurechtlegen. Das ist ja auch nicht verwerflich, beileibe nicht! Ich mache da niemandem einen Vorwurf!
Ich mache auch niemandem einen Vorwurf, der es als seltsam, vielleicht sogar versponnen empfindet, sich seine eigene Religion auszudenken und daher lieber auf das vorhandene Angebot zurückgreift. Wirklich, gerne, es ist schön, dass es organisierte Religion gibt, wer sich in einer Gemeinschaft wohlfühlt, kann auf bestehende Strukturen zurückgreifen und findet dort Menschen mit ähnlicher Gesinnung. Ich bin wirklich der Letzte, der da sagt: "Na, das geht aber so nicht."
Nachdenklich macht es mich, wenn Dinge, die ausgedacht sind und keinesfalls belegbar - das ist ja auch gar nicht wünschenswert bei einer Religion, Belege wären für den Glauben eher kontraproduktiv - an mich herangetragen wären, als wären sie unwiderlegbare Tatsachen, die für jeden einsichtig sind, und wenn man sich dagegen sträubt, dann - bamm - ist man ein Sünder, der es ja besser wissen müsste und es einfach böswillig nicht besser weiß, und dann wird man sich im Nachleben statt an Odins Tafel, hinter Petrussens Pforte oder in Rahjas Paradies (yeah, baby) in der Hölle wiederfinden.
Denn nur, weil es in der einen Religion ein heiliges Buch voller aufgeschriebenem Ausgedachtem gibt, heißt das nicht, dass diese Religion vernünftiger ist als meine. Zusammengeklaut ist sie in den meisten Fällen ebenfalls, denn die Menschheit ist ja halt schon recht alt, und Ideen hat es halt schon immer gegeben, und manche davon sind halt durchaus cool.
Also, ich hab gar nichts gegen Religion. Sie hört nur genau da auf, wo sie die Freiheit anderer berührt.
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