Roma Nova

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Ende Juli ist mein erster Science-Fiction-Roman bei Bastei Lübbe erschienen – und ich war in Urlaub und hatte nur sehr eingeschränkt Internet. Es war qualvoll!

Ich habe im Vorfeld schon ein bisschen mitbekommen, dass eine Science-Fiction-schreibende Frau offenbar in Deutschland gar nicht mal so häufig ist, und auch ich habe mich ja bislang eher in der Fantasy ausgetobt und nur ab und an mal SF-Kurzgeschichten veröffentlicht. Tatsächlich hab ich das aber gar nicht bewusst getan – seit meiner Teenager-Zeit habe ich immer Science-Fiction geschrieben, mein erster „fertiger“ Roman war Cyberpunk, danach habe ich einen weiteren Cyberpunk-Roman fast fertiggeschrieben, mehrere Star Wars-„Romane“ in die Tasten gehauen – das ist allerdings alles unveröffentlicht und deshalb ist es kein Wunder, dass Leute mich eher nicht als SF-Autorin wahrgenommen haben.

Auf dem PAN-Treffen im April gab es einen sehr persönlichen Vortrag zum „Leben mit SF“ von einer Organisatorin der Frankfurter Buchmesse, die das Publikum fragte, wer der anwesenden Autor*innen Fantasy schreiben würde, wer SF – und wer beides. Eine ganze Menge Leute zeigten bei letzterem auf, und sie sagte ganz verblüfft: „Das geht?“ Ja, es gibt immer noch eine Art Grabenkampf um Seriosität zwischen Fantasy und SF. Ich finde das schade, denn beides kann sich zwischen den Polen „relevant“ und „Trash“ bewegen, beides kann gesellschaftliche Aussagekraft haben. Und letztlich sind die Überschneidungen größer als die Dinge, die die beiden Subgenres trennen.

Mir ist vor kurzem erst aufgegangen, dass es zwei “Spielarten” gibt, die ich im speziellen innerhalb der SF mag: Ich mag Cyberpunk in all seiner realistisch-überzeichneten Neon-Düsternis. Und ich mag SF mit Fantasy-Elementen. Das zeigt sich natürlich in meiner Liebe zu Star Wars (Lichtschwerter! Phänomenale kosmische Kräfte!), aber ich habe zum Beispiel auch festgestellt, dass mich „The Expanse“ hoffnungslos kalt lässt, während ich von „Battlestar Galactica“ noch nach Jahren schwärme. „Thor Ragnarok“ war auch so ein Fall: Ich liebe diesen Film!

„Roma Nova“ hat ein paar Cyberpunk-Elemente: Rom als planetenbedeckende Stadt hat natürlich unendliche, höchstens von Neonlicht ausgeleuchtete Tiefen, illegale Hacker-Kollegien und den menschlichen Körper erweiternde Bionik. Es ist aber auch eine Space Opera: Auf fremden Planeten leben den Mythen entsprungene Kreaturen. Der Hades kreist um ein schwarzes Loch. Eine Seherin webt aus dem Herz der Gefallenen ihr eigenes Schicksal …

Warum kommt „Roma Nova“ überhaupt so schnell nach den 13 Gezeichneten raus? Exzellente Frage, ganz einfach zu beantworten: Weil es ein Schubladenbuch ist. Also, es lag in meiner Schublade. Seit 2013. 2012 sind meine beiden „Antiken-Fantasy“-Romane „Herr der Legionen“ und „Herrin des Schwarms“ erschienen, die in der Antike von „Das Schwarze Auge“ spielen. Kurze Zeit nach Erscheinen erhielt ich eine Mail von einem Filmproduzenten aus München, nennen wir ihn Philip 😉, der mich fragte, ob ich zu seiner Idee einen Roman würde schreiben wollen. Er hätte als (Zitat) „alter DSAler“ die beiden Dunkle-Zeiten-Romane gelesen, und das wäre von der Stimmung her genau, was ihm vorschwebe, nur eben als Science-Fiction. Er habe außerdem schon Concept Art anfertigen lassen, und zwar von Ulrich Zeidler, der „damals“ schon an großen Filmprojekten mitgearbeitet hat, und der seitdem bis zu „Game of Thrones“ und „Ready Player One“ vorgedrungen ist. Ulrich hatte eine Mappe mit einigen Bildern zur Welt und zu den Charakteren, die Philip vorschwebten, angefertigt. Als ich dann zusagte und zu schreiben begann, habe ich noch vier weitere, stärker ausgearbeitete Concept Artworks zu konkreten Szenen erhalten (was einfach wahnsinnig cool war und immer noch ist 😉 ).

Schon als ich die ersten Bilder gesehen hab, war mir klar: Egal, ob daraus ein Film wird, ein Buch oder nur ein in der Schublade verstaubendes Manuskript – das muss ich auf jeden Fall machen! Philip hatte ein Grundgerüst an Ideen: Rom ist keine Stadt, sondern ein ganzer Planet – es ist keine Geschichte, die die römische Antike in die Zukunft fortschreibt, also keine Alternative-History à la „Was wäre, wenn Rom nie gefallen wäre?“, sondern es ist die römische Antike als Science-Fiction-Setting. Es kommen historische Figuren vor, die Dinge tun, die sie auch in der römischen Antike getan haben (konkret handelt es sich etwa um 70 v.Chr.). Sie verfügen allerdings über Raumschiffe und Social Media. Die Raumschiffe wurden dabei von Philip und Ulrich so designed, dass sie keine SF-typischen Waffen haben – trotz aller Technologie sind die Waffen den römischen Waffen sehr ähnlich, und so „arbeiten“ die römischen Raumschiffe mit bislang beinahe unschlagbarer Schildtechnologie und Rammspornen, was im luftleeren Raum ja nicht die uneffektivste Methode ist. 😉

Ein paar inhaltliche Vorgaben gab es für mich auch: Der Dreh- und Angelpunkt der Geschichte ist der Spartacus-Aufstand, die Protagonisten sind die Tochter eines Patriziers, der sowohl in Weltraumexpansion als auch in Gladiatoren investiert, und ein junger Sklave, der neu in den Ludus, also die Gladiatorenschule kommt. Ach ja, und Spoiler: Eine Liebesgeschichte sollte es auch geben.

Da der Auftrag, ich sach‘s mal so salopp, aus dem Filmbusiness kam, nahm die Geschichte auch eher als Serie in meinem Kopf Form an – das Buch bildet dabei so etwas wie eine in sich abgeschlossene Staffel. Mein Ziel war es, möglichst visuell zu sein, die Bilder zu vermitteln, die wir beim Planen und Konzeptionieren im Kopf hatten. Es gibt schnelle Schnitte zwischen den Szenen und Schauplätzen. Es gibt Sex, Gewalt und saftiges Gefluche, weil sich das nun mal so gehört, wenn man über Rom schreibt. Man erinnere sich daran, dass im alten Rom letztlich an jeder zweiten Wand Peniswitz-Graffiti zu lesen waren. 😉

Nicht nur, aber auch aufgrund der Peniswitz-Graffiti hab ich oft den Eindruck, unsere Gesellschaft steht der römischen Antike näher als zum Beispiel dem Mittelalter. Ich meine das gar nicht kulturpessimistisch oder abwertend; letztlich war es einfach naheliegend, die Römer ins Weltall zu verfrachten und anzunehmen, dass Gladiatorenkämpfe halt auch nur eine Art blutige Topmodel-Show sind. Gleichzeitig unterscheiden sich die Römer in „Roma Nova“ von unserer Gesellschaft in vielen wesentlichen Punkten: Die Stellung der Frau, das Dasein als Sklave, die Vererbbarkeit von Privilegien und der feste Glaube daran, dass diese Privilegien göttergegeben sind – das sind archaische Aspekte der römischen Gesellschaft, die wir zum Glück zumindest zum Teil hinter uns gelassen haben. Die Science-fiction kehrt jedoch nicht selten dazu zurück – die Patrizier in „Das Unsterblichkeitsprogramm“, die Häuser in „Dune“, die Monarchien in „Die linke Hand der Dunkelheit“ – das Patriarchat stirbt nur langsam, die Märchen der Zukunft greifen Motive der Vergangenheit auf.

Ich lasse euch jetzt auch in Ruhe, genug gequatscht. Viel Spaß mit Ulrichs Artwork – wer mehr von ihm sehen möchte, kann hier seine Website besuchen!

nur echt mit echtem Fell: der römische Signifer!

Crixus ist Gallier. Und hat schon einige Teile an die Arena verloren.

Oenomaus ist Halbsatyr und außerdem ein wenig halbseiden

Rom, aus der Perspektive der Patrizier

Die Arena – Ianos versus Taurus!

Angriff der Hadeskrieger

Rammsporngaleeren, but in space

… und wie man sie einsetzt