Austritt bei PAN e.V.

Wir sind am 7.2.2020 aus dem Phantastik Autoren Netzwerk e.V. ausgetreten. Mit diesem Blogartikel machen wir die Kündigung öffentlich. Der Vorstand ist darüber informiert, dass wir das tun. Wir möchten vermeiden, dass es zu Missverständnissen zu unserem Austritt kommt. Indem wir die Gründe öffentlich machen, möchten wir, dass zumindest zu einem gewissen Grad transparent ist, was dazu geführt hat. Es sind in den letzten anderthalb Jahren weitere Dinge vorgefallen, die wir allerdings aus Respekt vor den beteiligten Kolleg*innen hier nicht breittreten möchten.

Sehr geehrter PAN-Vorstand,

wir, Judith und Christian Vogt, bedauern, euch mitteilen zu müssen, dass wir unsere Mitgliedschaft bei PAN e.V. zum nächstmöglichen Zeitpunkt beenden. Diese Entscheidung ist uns – auch, weil wir Gründungsmitglieder sind – nicht leichtgefallen.

Wir möchten gern etwas zu unseren Gründen sagen.

Wir sind nicht einverstanden mit seit Jahren immer wieder vorkommendem Tone Policing durch Mitglieder des Vorstands. Diese gehen immer wieder gegen Kritik und zivil geführte Diskussionen an und greifen maßregelnd ein. Unter anderem in einer Diskussion mit den Wikipedia-Torwächtern, sogar auf der Wikipedia selbst. Immer wieder geht es darum, als Verein keine Position zu ergreifen, dabei werden aber oft genug die Positionen, die der Vorstand unserer Meinung nach eigentlich vertreten sollte, effektiv zum Schweigen gebracht.

Als in den vergangenen Tagen der Programmpunkt „Rettet die Kunst vor den Moralaposteln“ fürs Branchentreffen angesprochen wurde, hieß es, man wolle eine unbequeme Auseinandersetzung herbeiführen, außerhalb der „Filter Bubble, in der wir uns nur gegenseitig auf die Schultern klopfen“. Offenbar waren der Konflikt und die Disharmonie in diesem Fall einkalkuliert. Aber als Kritik daran – zwar von vielen Seiten und deutlich, aber durchweg sachlich und in dem Bemühen, euch die strukturelle Problematik und das von uns empfundene Ungleichgewicht nahezubringen – geäußert wurde, wurde das als Gewalt und sogar als „Shitstorm“ empfunden. Wie können wir euch glauben, dass ihr ernsthaft interessiert an einer Auseinandersetzung mit dem Thema seid, wenn ihr die erste Gegenwehr als gewaltvoll, unsachlich und aggressiv framed?

Wir haben den ersten Kontaktversuch zu diesem Programmpunkt per Mail unternommen, darauf ist bis jetzt keine Antwort erfolgt. Wir haben feststellen müssen, dass insbesondere marginalisierte Autor*innen auf den Social Media davon sprachen, ihre Mitgliedschaftsanträge zurückzuziehen oder Mitgliedschaften zu kündigen. Wir finden, dass dem Verein besonders daran gelegen sein muss, diese Stimmen zu erhalten und auf diese Sorgen mit Verständnis und einem Problembewusstsein zu reagieren. Wir finden es fatal, dass Autor*innen Zweifel daran haben, ob sie bei PAN willkommen oder sicher sind.

Wir glauben, dass die Phantastik sich nicht mehr die Frage stellen muss, ob marginalisierte Positionen erwünscht sind oder schon zu viel fordern, ob Sprache und Fiktion politisch sind oder getrennt von den Gedanken ihrer Schöpfer*innen zu sehen sind. Wir empfinden eure Auseinandersetzung mit der von vielen, vielen PAN-Mitgliedern geäußerten Kritik als an der Sache vorbei. Vorstandsmitglieder haben die grundsätzliche Kritik stets auf einzelne Personen bezogen und damit von der eigentlichen Diskussion abgelenkt. Wir freuen uns, dass ihr den Programmpunkt noch einmal überdacht habt und die Zeit anders nutzen wollt. Wir wünschen euch und allen Mitgliedern ein gelungenes Branchentreffen. Doch der überwiegende Teil eures Statements war erneut eine Ermahnung an die Kritiker*innen dieses Programmpunkts. Ihr schreibt selbst, dass ihr polarisieren wolltet und habt nun genau damit ein Problem.

Ihr habt uns nach wie vor keine zufriedenstellende Antwort auf die Frage nach dem Grund für die Einladung geliefert. PAN muss nicht jeder reaktionären Meinung eine Bühne geben, besonders nicht gegen den Willen einer signifikanten, wenn nicht überwiegenden Zahl der Mitglieder. Aber egal, wie wir kritisieren, letztlich werden wir dem Vorwurf der kunstzerstörenden „Moralapostel“ nicht entkommen. Von diesem Zirkelschluss wollen wir weder monetär noch durch ideelle Unterstützung weiterhin Teil sein. Man darf wirklich alles noch sagen – aber wir können uns entscheiden, unsere Zeit, unser Geld und unsere Aufmerksamkeit etwas anderem zu widmen.

Reaktionäre und konservative Lager haben überall Raum, werden überall toleriert – in Talkshows, in Zeitungen, in der Politik, in der Wirtschaft, in der Kultur der Gegenwartsliteratur. Wir wünschen uns, dass Menschen, die sich in Deutschland momentan zu fürchten beginnen, bei euch sicher fühlen können. Wir schließen mit dem Wunsch oder dem Vorschlag, dass ihr an der Stelle des abgesagten Vortrags marginalisierten Stimmen Raum gebt. Dass bei meinem (Judiths) Vortrag beim Branchentreffen 2019 viele Autor*innen Wünsche zu Vorträgen mit Themen wie Own Voices, Queerness, Sensitivity Reading hatten, habt ihr doch sicher mitbekommen, und ich habe es auch weitergegeben. Eine Vertiefung von Themen, auf die wir uns längst als Konsens geeinigt haben, hätten wir schön gefunden. In der aktuellen politischen Situation wünschen wir uns von einem Verband der Phantast*innen eine klare Positionierung, aber halbherzig ist das eben nicht möglich. Wir wünschen euch alles Gute.

Bitte teilt uns mit, wann unsere Mitgliedschaften beendet sind.

Beste Grüße aus Aachen

Judith und Christian